Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zwei Bücher über das Wesen des Judentums [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
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140 Zwei Bücher über das Wesen des Judentums. aber Frottier folgert daraus die nutzlose Auflehnung gegen Natur und Verstand, den Stillstand, der Rückschritt ist, die Absonderung, die den Niedergang hervorruft, die Ursache zu Haß und Verfolgung. Er vermag nicht zu erkennen, daß echte Ethik nicht nur nach dem Nützlichen und Guten fragt, daß sie an sich schön und erhaben ist, daß sie das ewig Wahre darstellt, und schon deshalb sein muß, was Bäck sie nennt: sittliche Logik. Dieser Logik entspringt als völlig neue Schöpfung, als einzigartige Erscheinung der herrlichste Gottesbegriff, der e t h i s c h e Monotheismus. Israel ist es, das diesen Begriff der Welt gegeben hat als eine Offenbarung, die den Menschen seine Stellung zur Welt durch den Willen und die Tat sittlich bejahen heißt, das damit die Religion des Altruismus geschaffen hat im Gegensätze zu der andern Urform, dem Buddhismus, »der Religion des Egoismus, da sie die Vollkommenheit in dem Menschen erblickt, der den ausschließlichen Weg zu sich entdeckt«1). Israels Religion ist dadurch »die klassische Erscheinung der Religion, trotz aller möglichen und notwendigen Entwicklung doch nicht nur ein Anfang, sondern ein Ideal.«2) Ihre Bekenner aber fühlten sich im Besitze der göttlichen Wahrheit, und so mußten sie sich als das auserwählte Volk betrachten, mußten sich absöndern von den andern Völkern der Erde, aber nur um der Idee, der sie dienten, die ihnen den Mut gab, einer ganzen Welt Widerstand zu leisten, für die sie Not und Tod auf sich nahmen, um dieser Idee zum Siege zu verhelfen. Das sichere und kraftvolle Wahrheitsbewußtsein allein, das sich durch nichts beirren läßt, macht uns »die Religion, der wir durch unsere Geburt angehören, zu unserer Religion, die uns die Religion ist«3). J) a. a. O. S• 40. ־) a. a. O. S. 41. 3) a. a. O. S. 44.