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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 2 · p. Seite 139

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 2
Article
Zwei Bücher über das Wesen des Judentums [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
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Zwei Bücher über das Wesen des Judentums. 139 machten, sind dem jüdischen Wesen fremd, das der Trennung von Leben und Religion abhold ist. Selbst Geistliche und Laien schieden sich nicht von einander; nur Lehrende und Lernende bildeten die einheitliche Gemeinde, der als Grundsatz das Wort der Bibel galt: »Ihr sollt mir sein ein heiliges Volk, ein Reich von Priestern! (II. M. 19,6)«. Aber heilig kann nur der sein, der der Erkenntnis die Tat folgen läßt, die allein bestimmend in der Religion ist, darin unterscheidet sich das Judentum von den Ansichten der Reformatoren, die im Bekenntnis den Wert des Glaubens suchten und dadurch die Gefahr heraufbeschworen, daß »die Wortkünstler der Frömmigkeit« zu »Erbpächtern der Religion« werden konnten. Das Judentum dagegen verlangt, daß die Religion »gelebt« werde, daß sie die Erfüllung des Lebens sei, das Wort, das in ihm geltend ist, »das ist ein Wort« zu tun. »Nur in der Tat liegt der Überzeugungsbeweis, dem gegenüber jede Satzung unwesentlieh ist, die rechte Tat war die Mission des Lebens; in ihr lag die Heiligung des göttlichen Namens, aus welcher der rechte Glaube, das feste Vertrauen auf Gottes Macht und Hülfe floß, und »gab die rechte Tat den Lebensinhalt,, so verlieh der Glaube die Lebenskraft«1). Hier schon zeigt sich die ganze Gegensätzlichkeit zu Froraer. Dort die Meinung, daß die ethische Anschaungsweise des Judentums den Kampf hervorruft, den Kampf mit der Welt ringsum, den Kampf mit der eigenen Natur, den Kampf mit der logischen Erkenntnis; hier die Ansicht, daß eben diese Anschaungs weise keinerlei Zwiespalt aufkommen läßt, daß sie Gott und die Welt, Gott und das. Leben in Einklang setzt und zum dauernden Frieden in uns und um uns führt. Noch schärfer tritt dieser Widerspruch hervor in der Auffassung des S i 11 e n ge s e t z e s als Angelpunktes der Religion. Die Ethik macht das Prinzip, das Wesen des Judentums aus. Das steht.für beide fest; ') a. a. O. S. 38.

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