Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zwei Bücher über das Wesen des Judentums [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
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Zwei Bücher über das Wesen des Judentums. 137 trotz ihres kanonischen Charakters zu einem fortwirkenden Elemente. Die Schriftforschung war religiöse Pflicht; neue Erkenntnis trat an die Stelle der alten, und so erwarb jede Zeit ihre eigene Bibel1). Der Lehrinhalt bot sich niemals als ein fertig abgeschlossenes Ganzes; die stets erneute Forschung erneuerte ihn im Bewußtsein der Gemeinde. Die systemlose Form der Bibel ließ und läßt noch heutzutage viele Fragen offen und gebietet darum geradezu das Weiterdenken, ja sie verleiht dem Bibelworte gegenüber eine große Selbständigkeit und hebt den Zwiespalt zwischen der alten Überlieferung und den neuen Begriffen auf. im Judentum waren die alte Und die neue Lehre stets eins, und die alten Propheten gingen, in stets neuem Genius wieder erwachend, von Geschlecht zu Geschlecht durch die religiöse Welt des Judentums2). Die alten Propheten, der Zug der Meister, der auf den Meister folgt, wenn Bäck auf sie zu sprechen kommt, so schwingt ersieh zu Worten der höchsten Begeisterung auf; aber verstehen heißt ihn hier bewundern, und über die Propheten, die der Religion Israels die Richtung gegeben haben, vermag er nur apologetisch zu reden. »Gott gab es ihnen zu sagen (Jes. 50, 4).« Sie sprechen, weil eine übermächtige Kraft sie treibt. Ihre Rede entstammt nicht der Reflexion, das überlieferte Wort ist ihnen gleichgültig, von Bedeutung nur der Geist, der in dem Worte seinen Ausdruck sucht. Das Dasein Gottes bedarf keines Beweises; die Erkenntnis des Höchsten geht aus dem inneren Empfinden hervor, und Religion ist ihnen »Leben vom Leben der Seele«. So drücken sie ihr das Offenbarungsgepräge auf und geben dem Judentum den sittlich praktischen Charakter, der es auszeichnet. Gott der Allgerechte und Allerbarmer hat den Mensehen zur Tugend bestimmt. »Die Wege Gottes sind die >) a. a. O. S. 11. 2) a. a. O. S. 17.