Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 753 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 763 darin die Naturauffassung des allen Israel und die literarischen Quellen seiner Arbeit. Er geht stets auf den hebräischen Text zurück, ftäftdhabt aber auch die alten Versionen' mit Geschick. Dass er der Vulgata eine unverdient hohe Bedeutung beimisst, ist wohl ein Ergebnis seines Bildungsganges. In Fällen, wo er mit diesem Material keine Ent- Scheidung treffen kann, trägt er alles Wissenswerte über den be'treffenden Gegenstand zusammen und überlässt das Urteil dem Leser. Diese Zusammenstellung des Stoffes bildet einen Hauptvorzug des Buches, durch den es auch dem künftigen Forscher auf diesen Wissenszweigen viel Dankenswertes bieten wird. Auf dem Gebiete der modern-protestantischen Bibelforschung erweist sich Verfasser ebenso beschlagen, wie in der babylonischen Archäologie. Er benutzt die Resultate beider Disziplinen, jedoch vorsichtig und kritisch, immer abwägend, ob und wieviel Zutrauen sie verdienen. Aus dem Inhalt des Buches sei folgendes hervorgehoben : Im zweiten Kapitel werden die Vorstellungen der Israeliten über die Anordnung des Universums auseinandergesetzt. Hier lässt Verfasse!* freilich der Phantasie ein wenig die Zügel schiessen. Denn abgesehen davon, dass er selbst einen Fehler macht, vor dem er im ersten Kapitel ausdrücklich warnt, nämlich Stellen aus älteren und jüngeren Büchern der Bibel benutzt, um daraus ein einheitliches Weltbild zu konstruieren, zieht er auch Schlüsse, deren Gegenteil zwar nicht zu ei weisen ist, die Ref. aber in keiner Weise berechtigt erscheinen. So schliesst er aus Hiob 11, 8 und Psalm 139, S auf eine Symmetrie der oberen und unteren Welt, deren Gesamtheit er sich als ein durch die Erdoberfläche in zwei gleiche Hälften geteiltes lie. gendes Ei denkt. Er stellt ein solches auch graphisch dar, ähnlich wie Jensen in seiner Kosmologie der Babylonier. Ebenso unbegründet ist seine Angabe über die Lage der Vorratskammern der Winde. Aus den zitierten Stellen geht nur hervor, dass es solche Vorratskammern der Winde gibt; an der Stelle aber, wohin Verfasser sie verlegt, sind die Vorratskammern der Wolken. Man merkt, Verfasser will mit aller Gewalt ein Weltbild der Hebräer zustande bringen. Es ist aber die Frage, wie weit man ihnen, wenigstens in alter Zeit, ein solches Zutrauen dürfe. Dass sie z. B. über die Grenzen der oberen Wasser nach oben oder der Scheol nach unten nachgedacht hätten, erscheint höchst zweifelhaft. Zum Nachdenken und Forschen treibt die Naturvölker nicht das^ nirgends Halt machende wissenschaftliche, sondern das beim Nächsten stehen bleibende praktische Interesse. Der Rest dieses Kapitels wird ausgefüllt von. den Ansichten der biblischen Schriftsteller über Regen, Winde, den Kreislauf des Wassers, usw. Monatsschrift, 49. Jahrgang. 4g