Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 752 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829794-2886563--34160-2886690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Besprechungen. Schiaparelli, Giovanni. Die Astronomie im Alten Testament. Übersetzt von Willy Liidtke. Giessen 1904. J. Rickersche Verlagsbuchhandlung (Alfred Töpelmann). Preis geh. Mk. 3.20, geb. Mk, 4.—. Über astronomische Hinweise in der Bibel besteht schon eine r echt umfangreiche Literatur, und •das Wesentliche aus den vielen Einzeldarstellungen zusammenzuziehen, war an sich eine dankenswerte Aufgabe. Wenn sie im vorliegenden Buche von einem so hervorragenden Astronomen wie Schiaparelli, dem ehemaligen Direktor der Mailänder Sternwarte, in Angriff genommen wird, so darf man mit Recht gespannt sein, noch dazu, da derselbe ausser seiner rein astronomischen Tätigkeit schon öfter mit der Geschichte der Astronomie im Altertum sich befasst hat, vgl. »die hotnozentrischen Sphären des Eudoxus« und »die Vorläufer des Coppernicus im Altertum«. Es war von vornherein zu erwarten, dass der Astronom manchen neuen Gesichtspunkt an diese Materie heranbringen werde, die bisher im wesentlichen nur von Bibelforschern bearbeitet ,worden ist. Schiaparelli behandelt gleichzeitig Grenzgebiete der Astronomie. Meteorologie und Chronologie, veranlasst vielleicht durch das gerade für diese Wissenschaften etwas reichlicher vorhandene Material. Denn was die eigentliche Sternkunde anlangt, so bietet ja bekanntlich die heilige Schrift nur wenig. Das ist auch nach der Ansicht des Verfassers ganz natürlich, denn zu einer Erforschung der Bewegungen der Himmelskörper sind die Israeliten weder auf ihrem Zuge durch die Wüste, noch zur Zeit, als sie in Palästina ansässig waren, je veranlasst gewesen, da ihnen wissenschaftliche Bestrebungen, wie sie Babylonier, Ägypter oder Griechen teils aus praktischen Gründen teils aus Liebe zur Wissenschaft, teils aus philosophischer Spekulation pflegten, fern lagen. Dass, wie Verfasser ausserdem meint, auch die Furcht, sie möchten ähnlich wie die übrigen Völker durch das Studium des Hirnmeis in. Gestirnanbetung verfallen, die Israeliten von astronomischen Beobachtungen ferngehalten habe, scheint Ref. sehr unwahr׳ scheinlich, da der gewöhnliche Weg, den die Naturvölker gingen, von der Astrolatrie ausgehend zur Astrologie und weiter zur Astronomie führt, nicht, wie Verfasser sagt, umgekehrt. Diese Fragen bespricht Verfasser im Einleitungskapitel. Des weiteren behandelt er