Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Juden in Babylonien unter Sabur II. (309-382)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 547 (sequence 14)
- Language
- German
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Die Juden in Babylonien unter Sabur II. (309—382), 547 gewöhnt, und diese konnten schon aus dem Gründe nicht als Zeichen einer judenfeindlichen Gesinnung gedeutet werden, weil in dieser Beziehung kein Unterschied gemacht wurde zwischen den Angehörigen der jüdischen- und denen der Staatsreligion. Sabur II. war, wie die anderen kräftigen Herrscher der Sassanidendynastie, ein gutmütiger Tyrann, der zwischen väterlichem Wohlwollen und naivei Grausamkeit hin und her schwankte. Auch die Rechte, die er den einzelnen Volksstämmen einräumte, scheinen, der jeweiligen Laune dieses Herrschers entsprechend, bald eingeengt, bald erweitert worden zu sein. So gewährte Sabur IL zeitweilig — namentlich in späterer Zeit — den gelehrten Häuptern des jüdischen Volkes auch die Ausübung der höchsten peinlichen Gerichtsbarkeit1). Ein andermal verfolgte er den angesehendsten Lehrer der Juden, Raba, der einen Sünder gezüchtigt — die Züchtigung hatte allerdings dessen Tod zur Folge — weil er die ihm eingeräumten Befugnisse überschritten2). Jedenfalls übten sie zu allen Zeiten die Gerichtbarkeit in allen Zivil- und in leichteren Strafsachen aus. Und was die Hauptsache war, die religiöse Freiheit, die einzige, welche die Juden zu allen Zeiten gewünscht haben, wurde von Sabur IL wie von allen Sassaniden bis auf Jezdegerd II. respektiert. An ihr Allerheiligstes wurde nicht gerührt. In den grossen, innerlieh fast freien Städten und Städtegruppen wohnend, fühlten sich die Juden daher recht behaglich, und ihre Lage konnte trotz verschiedener kleiner Schikanen, ohne welche ein Leben im damaligen Persien überhaupt nicht denkbar war, den Glaubensgenossen in den römischen Provinzen als beneidenswert erscheinen. Die Juden Babyloniens waren darum auch gute Perser und hatten nur einen sehnlichen Wunsch: dass die Herrschaft Persiens sich ehestens auch J) Sanhedrin 27 a z. Z. R. Papas. 2) Thaanith 24b.