Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Esther
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 530 (sequence 18)
- Language
- German
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530 E silier. Motiv, welches manche Gelehrtenkreise zu so degradierenden Anordnun gen, wie wir sie kennen lernten, veranlasst hatte, auch die Fernhaltung jedes.religiösen Momentes aus diesem Buche zur Folge hatte. Dass die hier aus verschiedenen Zeiten historisch bezeugte Beurteilung der Handlungsweise Mordechais und die daraus resultierende Geringschätzung des Buches wie des Festes, nicht die allgemein herrschende Anschauung, sondern das Postulat der religiösen Anschauung einer kleinen Minderheit war, haben wir bis jetzt zur Genüge betont Tatsache, ist aber, dass diese Minderheitsansicht im Laufe der Zeit in vielen Punkten ausschlaggebend wurde, wie sich derartige religionsgeschichtliche Prozesse . in der talmudischen Literatur in zahlreichen Fällen nachweisen lassen. In weiten Volkskreisen hat zwar die ־ eine־ Seite des Begriffes, nämlich dass Purim keine religiöse Weihe besitze, allgemeine Geltung erlangt, aber die religiös-ethische Motivierung dieses Begriffes kam hier fast nie zum Bewusstsein. Umgekehrt erfreuten sich sowohl das Fest mit seiner Ausgelassenheit als auch das Buch mit seinen sehr lebhaften Schilderungen, seit jeher der grössten Beliebtheit beim Volke. Dieser Beliebtheit ist es auch zu ■verdanken, dass dieses Buch soviele Targumim und Midraschim aufzuweisen hat; denn Volks- und Kanzelredner handeln mit Vorliebe über, die Themata, für die sich das Volk am meisten, interessierte. Wenn aber diese Targumim und Midraschim sieh besonders darauf verlegen, Haman durch Installierung unzähliger grausamer Intriguen möglichst schwarz zu malen und umgekehrt Mordechai durch zahlreiche Entschuldigungsmotive rein zu waschen, so zeugt dies gerade von einem bedrückenden Selbstschuldbewusstsein, das bei diesen Midraschisten zum Ausdruck gelangt Diese Popularität des Buches, eine Folge des alljährlichen