Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Esther
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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516 Esther. das die absolut profane Form und unbiblische Darstellungsweise dieses Buches, bei der, wie Ewald sagt, man vom Himmel auf die Erde gefallen zu sein glaubt, wenn man von den anderen biblischen Büchern zu ihr gelangt. Denn nicht die leiseste Spur irgend eines religiösen Fuhlens oder Denkens ist in dem ganzen Buche zu erkennen, und nicht der Schein irgend einer göttlichen Wallung und Leitung ist irgendwo zu merken. In dem ganzen Gang der Ereignisse herrscht nur blinder Zufall, und der Verfasser könnte, seinem Buche nach zu urteilen, ebensogut ein Deist oder gar ein Atheist gewesen sein. Dass dieser sonderbare profane Charakter des Estherbuch es kein zufälliger ist, wie manche Exegeten meinen, dass vielmehr hier mit Absicht jede Anspielung auf Religion vermieden wird, beweisen mit Evidenz viele Stellen des Buches, so zum Beispiel wenn in 4, 1 — 14 vom Fasten, Weinen, Anlegen von Trauergewändern usw. die Rede ist und dabei des wesentlichsten Momentes, nämlich der Busse und der Sündenbereuung nicht Erwähnung geschieht Erscheint dies nicht wie ein geflissentliches Vermeiden jeder religiösen Erinnerung, zumal wenn man dann Stellen wie Lev. 26,40. Richter 20,27. I Sam. 7,6. 31,13. Jona 3,8. Daniel 9,3. 10,3. Esra 9,4.6. Neh. 1,4.6 zur Vergleichung heranzieht? Oder wer anders als Gott ist gemeint, wenn es heisst: »Hülfe und Rettung werden von einem anderen Ort kommen, du aber und dein Vaterhaus werden dann zugrunde gehen«? Sollte man etwa vom Zufall mit solcher Sicherheit Rettung der Bedrängten und Bestrafung der Sünder erwarten? Oder wenn wir weiter lesen, »und wer weiss, ob du nicht für eine Zeit wie diese zum Königtum gelangt bist«, ist da nicht von einer göttlichen Vorsehung die Rede? Hören wir nun einige andere Ansichten über den profanen Charakter des Estherbuches. Abraham Ibn Esra sagt in der Einleitung zu seinem Estherkommentar: