Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 11)
- Language
- German
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Uber Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum. 469 grösser noch ist die Versündigung derer, die einen ge־ storbenen Menschen im Bilde des Brodes und des Weines an Stelle Gottes anbeten1). Welch eine wunderliche Vor- Stellung liegt darin, dass die Existenz Gottes von dem Willen und der Macht des Priesters abhängen soll! Wenn der geringste Curio es will, wird die Brodkruste in Gott umgewandelt, wenn er aber nicht will, dass Gott geschaffen werde, und beim Singen seinen Geist auf etwas anderes richtet, bleibt die Brodkruste Brod und Gott entsteht nicht2). Den Juden wird von den Christen das längst abgekommene Tieropfer zum Vorwurf gemacht; sie aber bringen ein Opfer dar, bei dem Jesus beständig zerfleischt, zerrissen und verschlungen wird3). Als überaus verderblich wird die Ohrenbeichte der römischen Kirche bezeichnet. Schon die Vorstellung, dass ein Mensch dem anderen seine Sünden vergeben könne, ist als eine Impietät gegen Gott anzusehen. Die Aussicht auf eine Absolution durch den Priester leistet ferner der Sünde Vorschab. Die schwersten Sünden aber werden in der Beichte überhaupt verschwiegen, und diejenigen, die sich aus Scheu der Beichte entziehen, werden dadurch zur Verzweiflung getrieben, zumal da für die schwersten Sünden nur vom Papst selber eine Absolution erlangt werden kann. Auch wird durch die Beichte den Gewaltherrschern (wohl durch Verletzung des Beichtgeheimnisses) ein Mittel zur Verfolgung dargeboten4). Am Schlüsse des Heptaplomeres erklärt sich der sonst am meisten zum Fanatismus hinneigende Lutheraner Friedericus für die religiöse Duldsamkeit, indem er den Ausspruch tut: das Wort des Kaisers Theoderich, dass niemand gegen seinen Willen zum Glauben zu zwingen sei, verdiene mit goldenen Buchstaben an den Türen der *) Heptaplom. VI, pag. 339» 2) Heptaplom. VI, pag. 338 vgl., V., pag. 197. 3) Heptaplom. VI, pag. 330. 4) Heptaplom. VI, pag. 295.