Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 465 (sequence 7)
- Language
- German
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Uber Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum. 465 sondern in Nazareth geboren sei,und dass der Bericht des Evangelisten Lucas über die vom Kaiser Augustus angeordnete Schatzung mit den geschichtlichen Berichten im Widerspruch stehe1). Oegen die Heiligkeit der Lebensführung Jesu erhebt er den Einwand, dass Jesus nach den Zeugnissen der Evangehen mit Verbrechern und Buhlerinnen Umgang gepflegt habe, und in Betreff des Weinwunders bei der Hochzeit in Cana bemerkt er, ihm wäre es angemessener erschienen, wenn er die Festgenossen zur Nüchternheit angehalten hätte2). Was in den Schriften der Apostel und ihrer Schüler Nützliches zu finden ist, das ist nicht ihr Eigentum, sondern dem jüdischen Schrifttum entlehnt3), das aber mitunter von ihnen in unerträglicher Weise entstellt wird; so z. B. wenn Lucas die Fälschung begeht, von einem Ausspruch der Alten zu reden, der da laute: »Liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind,« was sich weder im Pentateuch, noch in den Propheten findet, während den Feind zu hassen vielmehr ausdrücklich verboten wird4). Die Lehre vom Sündenfall ist von den Urhebern des Christentums zu dem Zwecke erfunden worden, um die Unkundigen zu sich hinüberzuziehen in dem Glauben, dass der Tod des Stifters dieser Religion ein Heilmittel zur Sühnung der Sünden sei. Um aber nicht den Anschein zu erwecken, dass dadurch dem Hang zur Sünde Vorschub geleistet werde, stellten sie die Lehre auf, dass durch die auf die ganze Nachkommenschaft sich forterbende Sünde Adams das gesamte Menschengeschlecht verderbt worden sei, und dass infolgedessen niemand richtig handeln, ja nicht einmal richtig denken oder sonst wie der Gerechtigkeit teilhaftig 1J Heptaplom. V, pag. 221. 2) Heptaplom. VI, pag. 260. 3) Heptaplom. VI, pag. 315. 4) Heptaplom. VI, pag. 253. Sed ferendum non est, quod Lucas divinae legi fraudem facere videtur his verbis: Dictum est antiquis, diliges proximum tuum et odio habebis inimicum tuum. Haec postrema verba nunquam in lege divina aut aliis prophetis reperiuntur, sed interdictum plene contrarium: Ne oderis, inquit lex cet. Monatsschrift, 49. Jahrgang. 30