Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Entstehung und Entwicklung des Apostolats im Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 443 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Entstehung und Entwicklung des Apostolats im Judentum. 443 die שליחים der russischen Talmudschulen in Deutschland und vermutlich darüber hinaus Beiträge zur Unterhaltung dieser Schulen und ihrer Schüler. Der Apostolat war als Lehramt entstanden und hat diesen Charakter wohl bis zu seinem Erlöschen nicht verleugnet1). Es war daher selbstverständlich, dass nur Gelehrte als Apostel ausgesandt wurden. Als auch in der Diaspora Gelehrtenschulen aufblühten, musste man umsomehr darauf halten, dass die Apostel, die inzwischen weitergehende Befugnisse übernommen hatten, nicht nur kraft ihrer amtlichen Vollmacht, sondern auch durch ihre Persönlichkeit die erforderliche Autorität genossen. Es war daher Grundsatz, nur ordinierte Gelehrte, Mitglieder des Synhedriums, mit dem Apostolat zu betrauen2); und es kann demzufolge nicht überraschen, wenn wir die gefeiertsten Gelehrten als Apostel finden, z. B. Akiba, Elieser, Josua, Me'ir, Chijja, Animi, Assi, Simon b. Lakisch usw. Hierdurch wuchs naturgemäss wiederum das Ansehen des Apostelamts. So verstehen wir es, dass es in der Inschrift in Venosa als etwas für die Verstorbene ganz besonders Ehrenvolles dargestellt wird, dass nicht nur zwei heimische Gelehrte, sondern auch zwei Apostel ihr Trauerreden gehalten haben, und dass hier die Apostel vor den ein- ב) Vgl. die predigenden Apostel in der Inschrift von Venosa. Was Krauss (S. 381 Anm.) zu der durch nichts begründeten Vermutung veranlasst hat, dass sie »schwerlich Apostel, d.i. Sendlinge im eigentlichem Sinne, sondern wohl nur jüdische Gelehrte von hoher Bedeutung« gewesen seien, ist völlig unerfindlich. 2) Epiphan 1. c. sl(7t Ss outol p-sw tov TuaTpidcpyTiv a776<7T<7X0c, '/.a.X0U|JL£V0t, TrpOGS^pSUOUGl S3 *TÖS 7TO.Tp1ap)(7) 5C0Ct (70V aüTCp 7uollociug xal sv vuxtI kol\ iv vjptipa cuvsyoi^ S!׳iyou(7t Sta. tö (jupßoiAsösiv ycd ava^spstv auTto ׳roc /.a׳roc tov vojxqv, Vgl. Justin, Dial. 108 öcvXpcc<; jjsipoTOVvfcocvres cf, Act. 13,3. Philo de monarchia II 3 berichtet, dass man die Vornehmsten der Gemeinden zur Überbringung der Tempelsteuern abgeordnet habe. Das Gleiche gilt nun umgekehrt von den Sendboten des Patriarchen. Selbstverständlich ist von einer »Weihe« (Harnack S. 239) keine Rede; s. Krauss S. 371.