Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Entstehung und Entwicklung des Apostolats im Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 10)
- Language
- German
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436 Die Entstehung und Entwicklung des Apostolats im Judentum. nicht untergeordnete Boten, sondern bevollmächtigte Abgeordnete gedacht3). Auch hier gehen selbstverständlich die Verfasser von den Verhältnissen ihrer Zeit aus. Wir haben also hier bereits in vortannaitischer Zeit Apostel derZentralbehördealsTräger enzykli scher Sends chreiben, wie Eusebius noch für seine Zeit berichtet* 2). In dieselbe Kategorie gehört die Aussendung von Apostein zur Mitteilung der Festsetzung des Neumonds, bez. der Einfügung eines Schaltmonats. Noch aus der letzten Zeit des Tempels sind uns die Sendschreiben überliefert, durch welche der Patriarch die Interkalation anzeigte3); in dieselbe Zeit fällt die Aufhebung der bis dahin üblichen Mitteilung der Neumondfestsetzung durch Feuerzeichen und der Ersatz dieser Mitteilung durch Sendboten4). In späterer Zeit werden R. Akiba, R. Meir, sowie R. Chijja b, Sarnuki und R. Simon b. Jozadak als Sendboten zur Mitteilung der Interkalation genannt5). In allen diesen Fällen tritt in dem Apostolat das Lehramt bereits gegen die Tätigkeit innerhalb der synagogalen Organisation stark zurück. Wir finden denn auch die Apostel als Träger nicht enzyklischer, sondern ganz spezieller Missionen des Patriarchen oder des Synhedriums an einzelne Oemeinden oder Bezirke oder auch an einzelne Persönlichkeiten, als Bevollmächtigte in Verwaltungsangelegenheiten. So, lange durch Patriarchat und Synhedrium eine einheitliche Organisation des religiösen Gemeinwesens bestand, war die Institution des Apostolats eine Notwendigkeit, um die Verbindung der Gemeinden mit dem Mittelpunkt aufrecht zu erhalten, die Einheitlichkeit der religiösen Übung zu sichern, ב) Graetz IV3 S. 443. 2) Euseb. 1. c. a)Snh. 11a, b; To*. Snh. II. ף Graetz III*, 438 b, 713. 5) Mischna Jebam. 16, 7; Tos. Meg. 2, 5; b. Meg. 18 b; Snh. 26 a; s. Gaertz IV3 S. 443 f.