Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Esther
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829792-2886259--33796-2886308- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Esther, 409 sind, sich aus ihnen doch ziemlich Klares über den wahren Sachverhalt erfahren lässt. Wie ganz anders hingegen verhält es sich mit den Quellen, aus denen die Beurteilung des Estherbuches und des Purimfestes geschöpft werden soll. Ihre Zahl ist zwar viel grösser als geahnt wird. Doch ist aus ihnen nur auf indirektem Wege etwas zu erfahren. Es sind dies meist Äusserungen oder Bestimmungen, die eine Unzufriedenheits- oder Unmutsempfindung zum Ausdruck bringen, ohne dass bei ihnen auf den ersten Blick ihre Ursache zu finden wäre. Schon die Exegese des Mittelalters wusste daher nicht recht, was sie mit diesen Aussagen anfangen sollte; die Stellen wurden von ihr verschieden gedeutet und gedeutelt ohne jeglichen historischen Sinn, so dass diese Deutungen kaum der Erwähnung verdienen. Auch in der modernen kritischen Exegese, besonders in derjenigen konservativerer Richtung, werden diese Stellen nicht viel besser als im Mittelalter ausgelegt. Beachtenswerter dagegen ist hier die Meinung der radikaleren Richtung in der modernen Exegese, die in ihrer Auffassung dahin geht, dass die späteren jüdischen Gesetzeslehrer deshalb dem Estherbuche und dem Purimfeste so zweifelhaft gegenüberstanden, weil sie sowohl die Geschichtlichkeit des Buches als auch den jüdischen Ursprung des Purimfestes bezweifelten und daher sowohl über den Charakter des Festes im Unklaren waren als auch in das Vorhandensein des Buches im Kanon sich nicht leicht finden konnten. Allein bei eingehender Beschäftigung mit dem diesbezüglichen Material gewährt auch diese letztere Auffassung keinerlei Befriedigung, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Während über das Makkabäerfest und über seine Geschichte, die doch das wichtigste Ereignis in der jüdisehen Religionsentwicklung — nämlich die Errettung der