Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Esther
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Esther thesen nicht durch Gegenvermutungen und Gegenhypothesen ersetzen wollen, sondern der Logik ganz allein das Wort lassen werden, so dass dem Leser selbst ermöglicht werden wird, seine Konsequenzen zu ziehen. Das Beweismateriai gegen die Geschichtlichkeit des Estherbuches zerfällt in innere Beweise, oder den Hinweis auf solche Ungeheuerlichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten, die an sich unmöglich sind, und in äussere Beweise, oder den Hinweis auf Widersprüche mit anderweitigen Berichten der Bibel und der allgemeinen Geschichte. In der jüngeren Exegese spielen die talmudischen Notizen, die eine Verurteilung des Estherbuches sogar seitens der altjüdischen Ge־ setzeslehrer bekunden sollen, eine so gewichtige Rolle, dass kein Exeget es unterlässt, auf diese talmudischen Berichte mit grossem Nachdruck hinzuweisen. Wir wollen dieses zuletzt genannte Material seiner Selbständigkeit wegen, da es nicht an die Einzelberichte des Estherbuches gebunden ist, zuerst behandeln, zumal wir überzeugt sind, den christlichen Exegeten durch eine derartige Zusammenstellung einen Dienst erweisen zu können. I. Die Beurteilung des Estherbuches und des Purimfestes bei den altjüdischen Gesetzeslehrern der nachbiblischen Zeit. Kaum ein anderes Buch des hebräischen Kanons hat eine so vielfache und vielseitige aber auch eine so befremdende und zweifelhafte Beurteilung von seiten der jüdisehen Gesetzeslehrer der nachbiblischen Zeit erfahren wie das Buch Esther. Diese sonderbare Beurteilung beschränkt sich aber nicht bloss auf das Estherbuch, sondern dehnt sich auch auf das mit ihm zusammenhängende Purimfest aus. Wenn wir die sonderbaren Äusserungen jener Alten über das Estherbuch mit der Behandlung anderer kanonischer Schriften in jener Zeit vergleichen, so sehen wir uns bezüglich des Estherbuches vor das schwerste Rätsel in