Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hermann Gohens Ethik
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 403 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Cohens Etfiik. 403 Idee ist, ist er Problem wissenschaftlichen Erkennens. Die Gottesidee ist Erzeugnis des Wissens und darf nicht einem von diesem verschiedenen Glauben anheim gegeben werden. Für diesen methodischen Charakter der Gottesidee sucht Cohen auch geschichtliche Vorgänger anzuführen. Doch haben sicherlich die mittelalterlichen Deutungen der Trinität auf die verschiedenen Seelenvermögen die Gottesidee nicht auf deren Zusammenhang einschränken wollen, sondern Gott ist ihnen ohne allen Zweifel ein Wesen von transszendenter Existenz. Das Gleiche gilt von Maimuni. Bei aller Schärfe seiner Kritik der Attribute kann man höchstens im Zweifel sein über den persönlichen Charakter seines Gottesbegriffes. Idee im Cohenschen Sinne ist der Gott des Maimonides, dessen Existenz durch den kosmologischen Gottesbeweis erwiesen wird, sicherlich nicht Wenn wir zur Würdigung der Cohenschen Gotteslehre gelangen wollen, so müssen wir seine prinzipielle Auffassung über das Verhältnis von Denken und Sein ins Auge fassen. Für ihn ist die Natur und ihre Gesetzlichkeit Erzeugnis der Wissenschaft Dieser Idealismus ist jedoch weit entfernt von den bekannten idealistischen Anschauungen, welche das Sein der Natur vom Bewusstsein im gewöhnliehen Sinne abhängig machen. In dieser Form des Idealismus erblickt er eine völlige Zerstörung der Realität der Natur. Das wissenschaftliche Bewusstsein aber kann selbstverständlich die reale Welt nicht produzieren, sondern ihr Erzeugen ist nur ein Entdecken der Gesetzlichkeit, die von der Welt des Daseins gilt, die Gestaltung der Bedingungen und Voraussetzungen, unter denen ein wahrhaftes Sein der Natur möglich ist. Demgemäss aber ist die Natur nur in den Formen ihrer Gesetzlichkeit Erzeugnis der Wissenschaft. Die einzelnen Inhalte des Naturgeschehens sind zwar ebenfalls in ihrer Realität von der Wissenschaft zu beglaubigen, doch in ihrer Inhaltlichkeit nicht von ihr zu erzeugen. Somit ist das Verhältnis der Sittlichkeit zur Natur nicht gleichbedeutend mit ihrem Verhältnis zur Logik. Für die 26*