Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hermann Gohens Ethik
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 402 (sequence 18)
- Language
- German
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402 Hermann Cohens Ethik. noch als die Logik die Ethik das unverrückbare Bestehen der Natur. Diesen Zusammenhang zwischen Logik und Ethik, die Gewähr dafür, dass die Natur den Forderungen der Ethik gewachsen sei, vertritt die Idee Gottes. Nicht nur das Dasein der Natur aber, sondern auch ihre Fähigkeit, den Fortschritten der Sittlichkeit zu folgen, verbürgt die Gottesidee. In der natürlichen wie in der geschichtlichen Entwicklung ist für die Sittlichkeit vorgesorgt. So bedeutet die Gottesidee den Sieg des Guten, die Möglichkeit, dass die Seibstvervollkommnung Wirklichkeit auf Erden werden kann. Wenn so die Gottesidee den Zusammenhang von Natur und Sittlichkeit verbürgt, so ist doch mit voller Energie darauf zu dringen, dass aus der Harmonisierung von Natur und Sittlichkeit nicht ihre Identität werde, weil damit die Ethik naturalisiert und ihrer schöpferischen Kraft beraubt wird; und in glänzender Ausführung weist Cohen auf die Gefahren hin, welche in dieser Be- Ziehung der Pantheismus für die Reinheit der Ethik in sich schliesst. Er fordert die Transszendenz Gottes, um die Einheit von Natur und Sittlichkeit sicher zu stellen, ohne doch ihre Verschiedenheit aufzuheben. Diese Realisierung der Gottesidee verändert jedoch ihren Geltungswert ausserordentlich gegenüber der gewöhnlichen Gottesauffassung. Die Gottesidee verbürgt den Zusammenhang., zwischen Natur und Sittlichkeit. Doch dieser Gedanke ist ebensowohl dahin zu formulieren: Die Gottesidee bedeutet den Zusammenhang zwischen Logik und Ethik. Dieser Charakter der Gottesidee als des Zusammenhanges zweier Glieder des philosophischen Systems macht es deutlich, dass sie nur ein methodologisches Prinzip bedeutet. Gott ist das Grundgesetz der Wahrheit, nicht ein Daseiendes, welches dieses Grundgesetz verbürgt. Der Charakter der Gottesidee als Idee schliesst es aus, dass ihm ein Dasein zukommt. Natur und Sittlichkeit sind unser, so ist unser denn auch die Harmonie, die zwischen beiden herzustellen ist. Indem Gott