Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hermann Gohens Ethik
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 400 (sequence 16)
- Language
- German
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400 Hermann Cohens Ethik. Ableitung der Gültigkeit des Sittengesetzes in Cohens Sinne heteronom. Es bleibt somit im wesentlichen bei der alten kanlischen Formel, dass nicht die Existenz Gottes als des Ursprunges aller Sittlichkeit, wohl aber die Zurückführung des Geltungswerts der Sittlichkeit auf Gott zur Heteronomie führt. Da nun die Begründung des Sittengesetzes die Religion nicht erfordert hat, so erhebt sich nunmehr die Frage, welche Motive der Ethik zur Religion hinleiten. Die Frage, welche zur Religion hinführt, ist die nach der Wirklichkeit der Sittlichkeit. Bisher hatten wir die Sittlichkeit nur als Aufgabe kennen gelernt. Es ist nunmehr die Bürgschaft zu suchen, dass diese Aufgabe auch der Lösung und Durchführung fähig ist. Der Begriff, der hier einzugreifen hat, ist die Ewigkeit. Bei der Einführung dieses Begriffes wird seine Geschichte wiederum kurz skizziert. Sein Ur- Sprung wird gefunden einmal in den mythologischen Vor- Stellungen von den Weltaltern, und es zeigt sich, wie diese mythologischen Vorstellungen, die das sittliche Ideal in die Vergangenheit zurückverlegen, nicht zur Sittlichkeit, zu sittlicher Energie und Kraft zu gelangen vermögen. Die sittliche Bedeutung des Begriffes der Ewigkeit entfaltet sich erst in der prophetischen Religion, die das sittliche Ideal in die Zukunft verlegt, und in der Richtung auf die Zukunft eben entsteht die Religion im Unterschiede vom Mythos. Der prophetische Gott ist der Gott der Sittlichkeit und als einziger Gott der Gott der Menschheit. An dem Gedanken des Messianismus aber ist dieser neue Gottesbegriff erwachsen. Die sittliche Bedeutung der messianischen Idee besteht vor allem aber darin, dass alle Wirklichkeit an ihr zu orientieren ist, dass die messianische Zukunft die Richtschnur für Politik und Geschichte zu bilden hat. »Der ethische Wert des Messianismus,« sagt Cohen (S. 284 f.) »besteht in dieser seiner politischen, man möchte sagen, geschichtsphilosophischen Bedeutung. Die Geschichte der Völker,