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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 4 · p. Seite 399

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 4
Article
Hermann Gohens Ethik
Date
1905-01-01
Page
Seite 399 (sequence 15)
Language
German
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Hermann Cohens Ethik. 399 gegen die freie, sittliche Vernunft bilde, da der Gott der monotheistischen Religion nichts anderes zu bedeuten habe, als die Gewährung und Gewährleistung der Sittlichkeit. Doch bedarf es zum vollen Verständnis dieser Position Cohens noch einiger Erwägung. Die Autonomie als Methode der ethischen Wissenschaft bedarf der Ergänzung nicht nur in dem Sinne, dass die sittliche Persönlichkeit, die auf sie gegründet wird, in der Selbstgesetzgebung sich zu entfalten habe, vielmehr ist die Voraussetzung der autonomen, ethischen Wissenschaft die völlige Selbständigkeit der sittlichen Gesetzlichkeit. So wie nach Cohen selbst die Grundlegungen des reinen Erkennens von Mathematik und Naturwissenschaft vollzogen, von der Logik nur ermittelt und geprüft werden, so ist es auch die Voraus- Setzung der Autonomie der ethischen Wissenschaft, dass es reine und selbständige sittliche Gesetzlichkeit gibt, deren Voraussetzungen nur von ihr festzustellen und zu entwerfen sind. Die Möglichkeit reiner Ethik im Cohenschen Sinne ist darauf gegründet, dass die Sittlichkeit autonom in dem Sinne ist, dass sie in sich selbst ruht, gleichgültig aus welchem Selbst immer sie stamme. Wenn demnach die ethische Wissenschaft das Sittengesetz zu erzeugen und zu begründen vermag, ohne Zuhülfenahme einer religiösen Basis, so ist damit zugleich ausgesprochen, dass die verpflichtende Kraft des Sittengesetzes von seiner religiösen Begründung unabhängig ist, und in der Tat wird es von Cohen mit voller Entschiedenheit betont, dass die Begründung der Sittlichkeit ohne alle Beziehung auf die Religion möglich und zu fordern sei. Demgemäss ist die Zurückführung des Sittengesetzes auf Gott für seine Begründung belanglos, und sobald die Religion die Dignität des Sittengesetzes auf seinen göttlichen Ursprung zurückzuführen sucht, tritt sie in Widerspruch zu der Autonomie, auch in der Cohenschen Fassung. Es ist also nicht bloss das dogmatisch fixierte Wort Gottes, sondern die religiöse

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