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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 4 · p. Seite 397

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 4
Article
Hermann Gohens Ethik
Date
1905-01-01
Page
Seite 397 (sequence 13)
Language
German
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Hermann Cohens Ethik. 397 anklingt, hier nicht unwidersprochen bleiben. Der Prophet Ezechiel hat nach dem Vorgänge von Jeremia dieses grosse Ärgernis für den Begriff des Menschen, wie nicht minder für den Begriff Gottes, aus dem Wege geräumt. Es ist nicht die Sünde eines Familiengeschlechts, noch auch etwa die Sünde des Menschengeschlechtes, welche sich forterbt; sondern es ist »die Seele, welche sündigt.« Die Seele, die Person, sie ist das Individuum. Und in der Sünde ist das Individuum zur Entdeckung gekommen. Und es ist keineswegs die Freiheit der Verdammnis, welche hiermit festgestellt würde; sondern zugleich mit der Sünde des Individuums entdeckt Ezechiel den Begriff der Busse, wie das besser bezeichnende hebräische Wort der Umkehr nach dem juristischen Kirchenbegriffe des Lösegeldes gewöhnlich übersetzt wird. In der Kraft der Busse wird die Freiheit als die Fähigkeit zur positiven Sittlichkeit anerkannt.« (S. 283) Allein die geschichtliche Seite der Frage ist immerhin von untergeordneter Bedeutung; der eigentliche Kern des Problems liegt in der Beziehung, die zwischen der vollentwickelten Ethik und der Religion obzuwalten hat, und eben die von der Autonomie vertretene Selbständigkeit des sittlichen Bewusstseins hat zu vielfachen Konflikten mit der Religion geführt. Die Behandlung dieser Frage durch Cohen ist wesentlich komplizierter als die kantische, wenigstens nach ihrer gewöhnlichen Interpretation. Für diese besteht die Autonomie des Sittengesetzes in der Ableitung aller sittlichen Verpflichtung aus dem Begriffe des Sittengesetzes selbst und in der ausschliesslich aus dem Bewusstsein der Gesetzlichkeit entspringenden Bedingtheit sittlichen Handelns. Es ist also die Autonomie ein Kriterium für die Reinheit sittlichen Wollens, nicht nur für die Wissenschaftlichkeit ethischen Erkennens. In dem Bewusstsein des sittlichen Menschen ist auch die Voraussetzung der Autonomie implizite enthalten, Aufgabe der ethischen Wissenschaft ist es nur, die Voraussetzungen, auf denen die

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