Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hermann Gohens Ethik
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
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396 Hermann Cohens Ethik. den Propheten in besonderer Energie und Konsequenz als solche eingerichtet werden, so wird der Fremdling auch mit Recht und Gesetz in Verbindung gesetzt: »Ein Gesetz sei Euch, dem Fremdling und dem Eingebornen im Lande.« So wird der Fremdling zum vermittelnden Begriffe im Begriffe des Menschen.« »Und diese Vermittlung wird genauer und packender durch den Begriff des fremden Volkes. Das hat ja hauptsächlich alle Wahrhaftigkeit der sittlichen Einsicht, nicht nur alle Gediegenheit und innere Folgerichtigkeit aller geschichtlichen Kultur gehemmt, dass man nicht aufgehört hat, an dem Begriffe einer fremden Nation keinen Anstoss zu nehmen; dass man Kosmopolitismus und Vaterlandslosigkeit für einen und denselben Begriff halten zu müssen glaubt. Wenn man im Privatleben schon es wenigstens für die dürftige Wohltätigkeit zugestehen mag, dass das Selbstbewusstsein auch die fremde Person, als den Nächsten, einzuschliessen habe, so hält man dies doch in der Politik in Bezug auf die fremde Nation für einen Frevel. Die Propheten dagegen glaubten ihr Vaterland nur dadurch lieben zu können, dass sie die Menschheit lieben lehrten. Und sie wollten lieber ihr Vaterland preisgeben, als dass sie ein Iota an der Einen Menschheit verlören. Neben dem Fremdling ist durch den messianischen Gegensatz gegen die fremden Völker die Einseitigkeit und Selbständigkeit des Individuums durch die Religion aufgehoben worden. Und es war die Menschheit in ihrer dereinstigen Einheit, welche auch für das Individuum die Einheit des Menschen zur Darstellung brachte.« (S. 204 f.) Ebenso wie für die Lehre von der Einheit der Menschheit wird auch für die sittliche Selbständigkeit des Individuums im Prophetismus die Quelle gefunden: »Das Verhältnis des Menschen wird in allen seinen sittlichen Nöten auf den Einzigen konzentriert. Daher konnte der mythische Gedanke des Polytheismus von der Ate der Geschlechter, wie missverständlich sie auch noch