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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 4 · p. Seite 395

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 4
Article
Hermann Gohens Ethik
Date
1905-01-01
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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Hermann Cohens Ethik. 395 klassischen Vertretern der verschiedenen Kulturrichtungen ist ihm Grund genug, nicht an den klassischen Zeugnissen sittlichen Geistes vorüberzugehen, welche die religiöse Literatur bietet; mit scharfen Worten wendet er sich gegen den Mangel geschichtlicher Einsicht, der in der Bewertung der Religion seitens der ethischen Kultur sich offenbart, treffend weist er die falsche Originalitätssucht zurück, die der sittlichen Selbständigkeit zu dienen glaubt durch Ignorierung der sittlichen Leistungen der Religion, der sittliehen Lehren, die das religiöse Schrifttum in so reichern Masse enthält. So weist er in der Erörterung der grundlegenden sittlichen Begriffe jedesmal auf die schöpferische Bedeutung insbesondere der biblischen Literatur zurück, und gibt für die bedeutsamsten Grundgedanken der Ethik eine ausserordentlich feinsinnige und zugleich von wärmster Begeisterung getragene Würdigung ihres Ursprunges und ihrer Entwicklung im Judentum. Wenn er auch den Begriff des Nebenmenschen in völlig neuer Methodik ableitet, so betonter doch eindringlich, dass der sittliche Gehalt dieses Gedankens biblischen Ur- Sprunges ist.»Für die Propheten« sagt er, »erschien derAndere als ein Fremder, der die Einheit, die der Eine Gott am Menschen darstellen sollte, zu verletzen schien. Daher musste dieser Schein der Fremdheit zerstreut und vernichtet werden. Der Fremdling erscheint zunächst als solcher Fremde; er scheint verschieden zu sein vom eigenen Volke und vom eigenen Glauben. Daher muss vor allem dieser Schein beseitigt, dieses Vorurteil zerstört werden. Der Fremdling sei Euch wie der Eingeborene. Und wie man bei dem Eingeborenen Mitleid hat mit dem Armen, mit der Waise und der Witwe, so wird demzufolge es zu einer stilistischen Figur bei den Propheten: Der Fremdling, die Waise und die Witwe. Sie gehören zusammen, sie stehen überall zusammen. Und wie das Recht und das Gesetz die Grundlagen der Gesittung bilden, und von

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