Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hermann Gohens Ethik
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 9)
- Language
- German
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Hermann Cohens Ethik. 393 dass die Psychologie von Logik und Ethik her ihre Direktiven zu empfangen habe scheint mir, bisher wenigstens, nicht zwingend begründet. Je energischer er betont, dass das reine Bewusstsein, das in Logik und Ethik wirksam ist, nicht das persönliche Einzelbewusstsein bedeute, sondern die verschiedenen Richtungen menschlicher Geistesarbeit vertrete, um so weiter rückt es von aller Psychologie5 um so weiter aber die Psychologie auch von ihm ab. Der Wille der Ethik ist Aufgabe, bezeichnet eine Richtung menschlichen Kulturbewusstseins. Er liegt darum völlig abseits von den Interessen der Psychologie, im hergebrachten Sinne wenigstens, die eben das persönliche Einzelbewusst־ sein analysiert. Dieses Interesse aber ist keineswegs als unwissenschaftlich abzulehnen, insofern die Psychologie wenigstens nicht die Tatsache des Bewusstseins selbst ableiten, sondern die einzelnen Bewusstseinsformen und Zusammenhänge analysieren, die komplizierteren Gebilde auf elementarere Grundformen zurückführen will. Diese Elemente des persönlichen Bewusstseins brauchen keineswegs mit den Grundrichtungen des sachlichen Kulturbewusstseins zusammen zu fallen, vielmehr können beide Betrachtungsweisen völlig selbständig nebeneinander hergehen. Nach der Entwicklung der fundamentalsten Bedingungen des sittlichen Bewusstseins wendet sich Cohen der Behandlung des Freiheitsproblems zu. Nach einer ausserordentlich aufklärenden Darlegung über die verschiedenen Motive, die in den einzelnen Stadien des Freiheitsproblemes sich geschichtlich entfalten, entwickelt er seinen eigenen Standpunkt in der schon aus seinen früheren Schriften bekannten Weise dahin, dass die Freiheit des Menschen in seiner Würde als Endzweck bestehe, dass nicht die Unabhängigkeit menschlichen Handelns von äusseren Ur- Sachen, sondern sein selbständiger Wert gegenüber allen ausser ihm liegenden Zwecken den tiefsten Sinn des Frei-