Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hermann Gohens Ethik
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829792-2886258--33778-2886291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hermann Cohens Ethik. "PL- ^92 objektive Begriff der reinen, sittlichen Gesetzlichkeit, sondern der die Gefahr psychologischer Auffassung nahelegende Begriff des reinen Willens zum leitenden Begriff des Ganzen gemacht wird. Allerdings macht Cohen auf mancherlei Zweideutigkeiten aufmerksam, denen der Gesetzesbegriff preisgegeben ist. Er zeigt, dass das sittliche Gesetz nur zu leicht mit dem Naturgesetz gleichgesetzt wird. Er meidet ferner die Verwendung des Gesetzesbegriffes an grundlegender Stelle, weil ihm eine gewisse Starrheit innewohne, während er die Grundlagen der Ethik als Grundlegungen begreift, die immer von neuem zu vollziehen sind. So bedeutsam insbesondere der letztere Gesichtspunkt ist, so bleibt doch zu erwägen, ob nicht der Gesetzesbegriff durch eine Präzisierung der Terminologie sich den Forderungen Cohens hätte anpassen lassen, oder ob sich nicht eine andere Formulierung objektiven Inhaltes hätte finden lassen, die vor allen Kollisionen mit der Psychologie geschützt geblieben wäre. Denn es ist doch wohl mehr als bloss psychologische Ausdrucksweise, wenn der Unterschied der Ethik von der Logik mehrfach auf den Faktor des Affektes zurückgeführt wird, der im sittlichen Handeln zur Entfaltung komme. Es ist nicht zu verkennen, dass gerade in der Einführung des Affektes als notwendigen Bestandteiles sittlichen Wollens der grosse und im Grunde jüdische Gedanke zum Ausdruck kommt, dass die Sittlichkeit sich nicht in blosser Gesinnung zu erschöpfen habe, sondern in der Handlung erst zu rechter Entfaltung und Vollendung gelange. Allein auch die an sich zwingende Begründung dieses Gedankens kömmt vielleicht nicht zu voller Wirkung, eben weil die rein inhaltliche Betrachtungsweise vielfach in das Subjektive abzubiegen scheint. Wenn so zum Mindesten die klare Durchsichtigkeit der ethischen Begründung infolge der psychologischen Ausdrucksweise geschädigt wird, so wird anderseits auch die Selbständigkeit der Psychologie von hier aus beeinträchtigt. Die von Cohen verfochtene These,