Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hermann Gohens Ethik
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
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Hermann Cohens Ethik. 391 sittliche Subjekt, Wiederum eine andere Wendung des Gedankens ist es, wenn die Eingliederung des Individuums in die rechtlichen und staatlichen Ordnungen als die Bedingung sittlicher Persönlichkeit gefordert wird. Endlich sei noch auf einen Punkt hingewiesen, in dem ich nicht zu voller Klarheit gelangen konnte. Die juristischen Formen, nach deren Masstab die sittlichen Grundlegungen gewonnen werden, sind nicht ausschliesslich normativer Art, sie bestimmen nicht nur, wie rechtlich gehandelt werden soll, sondern sie konstituieren die Bedingungen, die gegeben sein müssen, damit eine Handlung überhaupt rechtlicher Beurteilung unterliegt. Der Begriff der vorsätzlichen Handlung ist in gleichem Masse bedeutungsvoll für die Beurteilung des rechtswidrigen wie des rechtlich bindenden Handelns. Demgemäss ist an der Hand solcher juristischer Fixierungen auch für die sittliche Persönlichkeit nur die Voraussetzung dafür zu gewinnen, welche tatsächlichen Bedingungen gegeben sein müssen, damit auf menschliches Handeln überhaupt sittliche Gesetzlichkeit anwendbar sei. Der Begriff der sittlichen Persönlichkeit aber, der konstruiert werden soll, will nicht der Begriff einer Tatsache, sondern einer Aufgabe sein. So aber gehen in seiner Konstitution die psychologischen Bedingungen, unter denen sittliche Beurteilung menschlichen Tuns denkbar ist, inein־ ander mit den Bedingungen, die den Wert der sittlichen Persönlichkeit konstituieren. Allerdings ist für die gesamte Gewinnung des reinen Willens nicht immer ersichtlich, in wieweit es sich um die Ausgestaltung des sittlichen Persönlichkeitsideals, in wieweit um die Charakterisierung der im sittliehen Handeln wirksamen psychischen Faktoren handelt. Die hier vorhandenen Schwierigkeiten des Verständnisses, die allerdings wohl grossenteils in der noch ausstehenden Psychologie Cohens ihre Erledigung finden werden, hängen vielleicht damit zusammen, dass nicht der