Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hermann Gohens Ethik
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Cohens Ethik. 387 scheinungen zu bewerten. Als theoretische Sozialwissen־־ schaft aber steht sie zur Ethik ausser Beziehung. Dass sie, soweit sie soziale Entwicklungsgeschichte sein will, die Kenntnis der ausgereiften sozialen Gebilde voraussetzt, ist richtig. Allein es ist nicht notwendig der normale (im Sinne des Normgemässen) soziale Organismus ihre methodische Voraussetzung, sondern die Kenntnis der typischen Gestalt der entwickelten sozialen Formen genagt ihr, um aus ihr die Gesichtspunkte für die entwicklungsgeschichtliche Betrachtungsweise zu entnehmen. Nachdem sich die Einleitung mit den abweichenden Standpunkten auseinandergesetzt hat, beginnt nun die Ausgestaltung des eigenen Baues. Die völlige Selbständigkeit der Ethik erfährt zunächst eine gewisse Einschränkung. Eine Voraussetzung hat auch die Ethik anzuerkennen: die Logik, mit der sie die Gemeinsamkeit der Methode verbindet. Der Zusammenhang der Ethik mit der Logik ist für Cohen die Grundvoraussetzung der Ethik, die er als Grundsatz der Wahrheit bezeichnet. Doch bei allem Zusammenhang mit der Logik bleibt der Ethik ihr völlig eigenes selbständiges Gebiet, hat sie selbst ihre Gesetzlichkeit zu entwerfen und zu begründen. Damit jedoch die Ethik diese ihre Methode in Anwendung bringen könne, muss das Material aufgewiesen sein, an dem sie ihre Arbeit zu voll־־ bringen hat. Dieses Gebiet, für das die Gesetze der Ethik zu gelten haben, ist das Handeln. So wie die Gesetzlichkeit auf theoretischem Gebiet Erzeugnis des reinen Erkennens ist, so ist die der Sittlichkeit begründet im reinen Willen. Der Wille freilich ist kein Gebilde, das sich der psychologischen Beobachtung im Bewusstsein darböte, vielmehr bestimmt erst die Ethik nach ihren sachlichen Forderungen den Begriff des Willens. Analog nun wie von Kant die Grundgesetze der reinen Erkenntnis gefunden wurden, indem er die Mathematik und die mathematische Naturwissenschaft auf ihre Grundlagen hin untersuchte, so muss auch 25*