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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 4 · p. Seite 386

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 4
Article
Hermann Gohens Ethik
Date
1905-01-01
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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386 Hermann Cohens Ethik. sichtspunkten so ungewöhnlich reiche Behandlung der ethischen und damit auch der religiösen Fragen, dass sie auch für die philosophische Würdigung der Religion im allgemeinen von der grössten Bedeutung ist. Es ist im Rahmen einer Besprechung nicht möglich, von dem Inhalt des Cohenschen Werkes eine erschöpfende Vorstellung zu geben; es ist auch hier nicht der Ort, die Details rein fach-philosophischer Art eingehend zu behandeln, nur der methodische Aufbau des Ganzen sowie die für die Religion unmittelbar bedeutsamen Ausführungen können, im allerwichtigsten wenigstens, berührt werden. Die Methode der Cohenschen Ethik ist auf das stärkste beeinflusst von Kantischen Gedanken. Allein, wenngleich sie sich bewusst in den Zusammenhang mit Kant stellt, so sind doch die Motive des Kantischen Gedankenbaues mit voller Freiheit und Selbständigkeit zu einem durchaus neuen und eigenartigen Ganzen gestaltet. Die Cohensche Methode ist die der Reinheit, das heisst, die Gesetze und Begriffe der Ethik werden nicht aus irgendwelcher auswärtiger Quelle entlehnt, sondern von der ethischen Wissenschaft selbständig erzeugt und begründet. Demgemäss sucht die Einleitung unseres Werkes nachzuweisen, dass alle Versuche, die ethischen Gesetze aus fremder Quelle, und als solche ergibt sich im letzten Grunde immer wieder die Erfahrung, abzuleiten, der Eigenart sittlicher Gesetzlichkeit nicht gerecht werden. In glänzender und durchaus überzeugender Beweisführung wird dargetan, dass weder die Psychologie noch die Geschichte oder Soziologie eine haltbare Begründüng der Ethik zu geben vermögen. Weniger überzeugend erschien mir der Beweis dafür, dass umgekehrt diese Wissenschaften von der Ethik her ihre Direktiven zu empfangen hätten. Das Verhältnis von Ethik und Psychologie soll im weiteren noch mit einigen Worten berührt werden. Die Soziologie jedenfalls setzt nur dann die Ethik voraus, wenn sie sich die Aufgabe stellt, die gesellschaftlichen Er-

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