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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 4 · p. 385

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 4
Article
Hermann Gohens Ethik
Date
1905-01-01
Page
385 (sequence 1)
Language
German
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Hermann Sohens Ethik. Von Julius Guttmann. Das in letzter Zeit so vielfach hervorgetretene Bestreben, den Lehrgehalt des Judentums gedanklich zu begreifen und in der Auseinandersetzung mit der Gesamtbildung unserer Zeit seinen Wahrheitswert herauszuarbeiten, kann nur dann ernsthaft und saehgemäss befriedigt werden, wenn nicht aus der vagen Popularbildung, sondern der klar bewussten Gedankenwelt der Wissenschaft, insbesondere der wissenschaftlichen Philosophie der Masstab zur Beurteilung des Judentums entnommen wird. Unter den Gliedern des philosophischen Systems wiederum ist es die Ethik, mit der die Religion den nächsten und intimsten Zusammenhang hat. Gerade die fachmännischen Arbeiten aber auf dem Gebiete der Ethik haben, soweit sie überhaupt in positivem Sinne zur Religion Stellung nehmen, überwiegend an der Christ־■ liehen Denk- und Empfindungsweise sich orientiert und sind darum für die objektive Würdigung des Judentums kein geeigneter Ausgangspunkt Um so wertvoller ist es, wenn nunmehr Hermann Cohen, der in anerkannter Meisterschaft die Probleme der Philosophie auch systematisch zu behandeln weiss und der dabei mit warmer Begeisterung und unerschrockenem Wahrheitsmut für das Judentum eintritt, in seiner Ethik, dem zweiten Teil seines philosophischen Systems, ein Werk geschaffen hat, das gerade, weil es keine spezifisch jüdische Religionsphilosophie, sondern allgemeine Philosophie geben will und gerade weil es von dem Geiste strengster Sachlichkeit durchdrungen ist, um so eindring־ licher und nachdrucksvoller unsere Sache vertritt Doch nicht nur wegen ihres jüdischen Standpunktes verdient die Cohensche Ethik aufmerksamste Beachtung. Sie bietet eine so durchgreifend neue, an eigenartigen Ge- Monatsschrift, 49. Jahrgang. 25

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