Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
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364 Besprechungen. Güte. Nur besitzt er keine feste Rangordnung dieser Werte, so dass bald das Intellektuelle, bald das Aesthetische und auch das Moralische als letzter und höchster Wert erscheint. Ausserdem weiss er nicht, dass der absolute Charakter und die methaphysische Realität dieser Werte, auf Grund deren er die im Universum wirkende Kraft Gottheit zu nennen berechtigt ist, wissenschaftlich nicht erweisbar ist. Er übersieht ferner, dass die Wissenschaft bei Aufstellung ihrer monistischen Lehre gegen die Schönheit und Güte der Welt und auch gegen ihre Zweckmässigkeit, soweit sie als Wert empfunden wird, absolut gleichgültig ist, und dass es der Religion ausschliesslich auf diese Werte und ihre absolute Geltung ankommt. Wissenschaft und Religion können demnach höchstens mit einander vereinbar, niemals aber identisch sein. Rülf begnügt sich aber nicht mit dem Nachweis, dass die im Universum wirkende Kraft als intelligentes, Werte schaffendes Prinzip mit der Gottheit identisch ist, er behauptet auch das Zusammenfallen ihrer Immanenz und Transscendenz. Die Allkraft, die im Universum unbewusst wirkt, hat sich in ihm ver״ äusserlicht, sie geht aber nicht völlig in der Welt auf, sondern in dem Selbstbewusstsein, das sie besitzt, bleibt sie stets bei sich und ist allem kosmischen Geschehen entrückt. Als Beweis hierfür gilt wiederum die Tatsache des menschlichen Bewusstseins, das sich nicht nur auf die Inhalte der Seele, sondern auch auf das denkende und empfindende Subiect erstreckt. Bewusstsein, Denken und Wollen aber sind die wesentlichen Merkmale der Persönlichkeit, und da alle drei bei der Allkraft vorhanden sind, so ist die Personalität der Gottheit erwiesen. Die Naivität dieser ganzen Beweisführung ist ohne weiteres erkennbar. Die Hegelsche Unterscheidung des Aussersich- und des Beisichseins mit ihren vom Raume hergenommenen Bildern wird hier dazu benützt, die Ausserweltlichkeit Gottes zu beweisen. Abgesehen von der Schwierigkeit, die darin liegt, dass. dasselbeWesen völlig bewusst und zugleich unbewusst sein soll, ist absolut nicht einzusehen, wieso, die Urkraft durch ihr Selbstbewusstsein über die Welt hinausgehqben werden soll. Bewusstsein und Selbstbewusstsein sind ja nur Qualitäten der psychischen Vorgänge, eine Seite an ihnen. Uebrigens könnte man ja dann mit genau demselben Rechte den Menschen ausserweltlich und innerweltlich nennen. Hier hat sich Rülf durch die Bildhaftigkeit der Termini verleiten lassen. Einen viel empfindlicheren Mangel an Vorsicht verrät es, wenn er Bewusstsein, Denken und Wollen, die wir beim Menschen beobachten, ohne weiteres auf die Allkraft überträgt. Sie werden dann im Interesse der absoluten Einheit untereinander identifiziert, und so gelangt Rülf glücklich von seinem modernen naturwissenschaftlichen Standpunkt ausgehend bei der