Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 33)
- Language
- German
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Über Jean Bodin in seinen Beziehungen 7um Judentum. 347 ditäten des Talmud und der Rabbinen verbreitet war. Dazu kam der auch aus seinen staatsrechtlichen Anschau־ ungen fliessende Gedanke der Toleranz1), der nach seiner Ansicht selbst der Religionsübung der Heiden gegenüber nicht verletzt werden dürfte. Wie soll man diese, so fragt er einmal, wegen ihres Bilderdienstes bestrafen, da sie eine andere Art der Religionsübung doch nicht kennen? Bei der Verschiedenheit der bestehenden Religionen habe man kein Recht, Jemanden dafür zur Rechenschaft zu ziehen, dass er sich nicht zu einer bestimmten Religion bekenne, z. B. zu dem Glauben des Christentums, der von der Mehrzahl der Menschen nicht geteilt, sondern für falsch gehalten würde. Umwievielmehr aber gilt dies erst dem Judentum gegenüber, dem die Welt die Offenbarung der erhabensten, dem Naturgesetz entsprechenden und allen höher gebildeten Völkern gemeinsamen Sittenlehren zu verdanken hat. Der Glaubenszwang, der gegen die Juden geübt wurde, ist aus ganz anderen als religiösen Beweggründen hervorgegangen; er war nicht selten ein Mittel, dessen die Fürsten sich bedienten, um ihre Habgier zu befriedigen2). ב) Vgl. oben Seite 319. 2) De Republ. III, cap. 7, pag. 639. Iisdem artibus Judaeos Gallia et Hispania pulsos Iegimus, quod pueros cruci configere dicerentur ac fontes sanguine leprosorum labefactare, ut eörum bona fisco vindicarentur. Heptaplom. VI, pag. 358. Sed plerique principes pietatis specie impie obtendunt ad innocentium opes dicipiendas, ut Ludovicus Hungariae, Dagobertus et Philippus Augustus Francorum, Ferdinandus Arragonum reges falsis criminationibus circumventos Judaeos proscripserunt, et ubi defuit maieria calumniandi, vim apertam adhibuerunt, ulet Cracoviae Judaei omnes avorum memoria caesi sunt praeter impuberes, qui religione christiana imbuti fuere, caesorum etiam domos incenderunt, quo incendio tota Cracovia deflagravit. Octavius. At Ferdinandus rex Arragonum iniqua quadam pietate vel potius inexplebili pecuniarum aviditate, postquam Judaeos exegisset, et qui metu opum amittendarum baptizati fuerant, simulata religione spoliasset etc. Ob von der Judenverfolgung in Krakau irgendein anderer Bericht vorhanden ist, ist mir nicht bekannt. — Ich schliesse hier gelegentlich noch eine derselben Stelle des Heptaplo-