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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 3 · p. Seite 346

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 3
Article
Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 346 (sequence 32)
Language
German
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346 Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum. Freimut Niemanden verletzen, anderseits aber nicht durch Zurückhaltung des von ihm als wahr Erkannten sich einer Abtrünnigkeit schuldig machen. Coronaeus bittet nun *Salomo, sich aller Bedenklichkeiten zu entschlagen; er werde, ob er aus dem Kampfe als Sieger oder Besiegter hevorgehe, von der Liebe, die er bei Allen geniesse, nicht das Geringste einbüssen1). Endlich entschliesst sich Salomo, dem Wunsche seiner Genossen zu willfahren, und es geschieht dies mit einem Freimut, einer rückhaltslosen Offenheit, ja mit einer auch des beissenden Spottes nicht entbehrenden Schärfe, die selbst in diesem Freundeskreise nur begreiflich ist bei einem Manne, dessen hohe Tugenden und ungewöhnliche Gelehrsamkeit Allen die unbedingteste Achtung abzwingen. Gewöhnlich wird die Diskussion allerdings zu keinen entscheidenden Abschluss geführt. In den meisten Fällen aber gehört doch Salomo das letzte Wort, so dass wir den Eindruck gewinnen, als ob der Verfasser, wenn er sich auch nicht geradezu mit dem Standpunkt des Juden identifiziert, ihn doch als unwiderlegt wolle gelten lassen. Ob Bodin bei der Gestalt des Salomo irgend ein Vorbild vor Augen schwebte, wie etwa Lessing das Bild Mendelssohns bei der Zeichnung des Nathan, das entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls entspricht diese Gestalt der hohen Wertschätzung des Judentums, die in allen seinen Schriften zum Ausdruck kommt. Diese Wertschätzung mag zunächst auf literarischem Wege bei ihm entstanden sein. Das jüdische Schrifttum, mit dem er sich zu wissenschaftlichen Zwecken vertraut zu machen suchte, übte auf ihn eine umso mächtigere Wirkung aus, in. je grellerem Wiederspruch der aus eigener Kenntnis gewonnene Eindruck mit dem wegwerfenden und geringschätzigen Urteil stand, das über die sogenannten Absurl) Ibid. pag. 128. Hunc obsecro meium, mi Salomo, abjicere te velim: seu viceris, seu vincare, nihil tarnen de nostro singulari erga te amore detractum etiam pro ceteris Omnibus spondeo, recipio, promitto.

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