Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829791-2886108--33716-2886210- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
338 Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum. Universae naturae theatrum. Schon in dem, eine Art von Geschicbtsphilosophie darbietenden Methodus, der ersten seiner grösseren und selbständigen Schriften, giebt sich uns Bodin als einen Geist von nicht gewöhnlichem Tiefblick zu erkennen. Bei aller Ungenauigkeit in den historb sehen Daten, die schon von Johannes von Müller gerügt wird1), zeichnet sich diese Schrift durch die Originalität der Anschauungen aus, die in ihr zur Darstellung gelangen, durch den universellen, das ganze Gebiet der Geschichte umfassenden Blick, mit dem er den Verlauf und die Ent- Wicklung des Völkerlebens betrachtet. Wie hoch oder wie niedrig man den wissenschaftlichen Wert dieser Leistung anschlagen mag, es ist ein freier und unabhängiger Geist, der hier zu uns spricht und von dem wir uns überaus sympathisch berührt fühlen. Einen umso peinlicheren, ja geradezu abstossenden Eindruck macht auf uns Bodins Daemonomania, in der der Verfasser seine stupende Gelehrsamkeit in den Dienst einer Aufgabe stellt, die mit seinen sonst so aufgeklärten und über die Vorurteile seiner Zeit sich erhebenden Anschauungen in unvereinbarem Widerspruch zu stehen scheint. Bodin ist, was auch in seinen anderen Schriften vielfach hervortritt, ein strikter und unbedingter Anhänger des Dämonen- und Hexenglaubens, den er in der Daemonomania unter häufiger Berufung auch auf das jüdische Schrifttum systematisch zu begründen und in einem polemischen Anhang zu dieser Schrift gegen den gleichzeitigen herzoglich Cleve’schen (Über das Opfer des Aussätzigen) Sin animus a rerum pulcherrimarum contemplatione et ab inteilectu actuoso aversus corporeis sordibus et maculis conspurcari et contaminari se patiatur, a coelesti lumine desertus tenebris offunditur, perinde utluna, quae umbris terrestribus immersa, cum refugit solis aspectu, eam, quam a sole acceperat, lucem amittit. Dazu die Randnote: Leo Hebraeus lib. 3 de amore hac eleganti comparatione usus est. *) In einem Briefe an seinen Bruder, Gesammelte Werke VI, Seite 371.