Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 11)
- Language
- German
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Über Jean Bödiri in seinen Beziehungen zum Judentum. 325 Gönner gern gefällig erweisen möchte, vielleicht in Erwiderüng auf einen Brief, in dem Chapelain seine Verwunderung über Conrings Zurückhaltung ausgesprochen1 hatte. Und selbst jetzt ist die Bekehrung Conrings nach seiner eigenen Darstellung nicht sowohl auf Grund der Chapelainschen Mitteilung erfolgt, die er nur als Meinung oder Urteil bezeichnet, als vielmehr durch die gesteigerte Aufmerksamkeit auf die Vorliebe für das jüdische Schrifttum, die sich ihm in den Schriften Bodins offenbarte. Aus demselben Gründe wird die jüdische Abkunft Bodins auch noch von einem neueren Gelehrten, Henri Baudrillart, für wahrscheinlich erklärt1). Sehr begreiflich ist es, dass die christlichen Leser der Bodin’schen Schriften der merkwürdigen Erscheinung, die sich ihnen in denselben darbot, ratlos, ja nicht ohne eine gewisse Bestürzung gegenüberstanden. Es dürfte in der Tat nicht leicht ein zweites Beispiel einer so unbedingten Anerkennung des Judentums und seiner Literatur seitens eines der Weltliteratur angehörenden nichtjüdischen Schriftstellers nachzuweisen sein, wie sie uns bei Bodin entgegentritt. Wo des Judentums Erwähnung getan wird, da geschieht es in freundlichem Sinne; nirgendwo ist bei Bodin ein abfälliges oder gar gehässiges Urteil über das Judentum zu finden. Wenn selbst bei Männern, wie Pico von Mirandola und Johann Reuchlin, die Wertschätzung des jüdischen Schrifttums und die eingehende Beschäftigung mit ihm einer gewissen Tendenz entspringen, von dem Bestreben eingegeben sind, in der jüdischen Literatur und besonders in der Kabbala Beweise für die Wahrheit des Christentums zu entdecken, ist Bodin frei von jeder derartigen Tendenz, ein Bewunderer des Judentums und der\ jüdischen Literatur nur um ihrer selbst willen. Je weiter er in seiner schriftstellerischen Tätigkeit fortschreitet, ') Baudrillart, Seite 112—113.