Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 2)
- Language
- German
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316 Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum. war unstreitig nicht nur einer der vielseitigsten, sondern auch einer der geistvollsten und gedankenreichsten Gelehr־ ten des sechszehnten Jahrhunderts. Kein Gebiet der Wissenschaft war ihm fremd1). Eine geradezu erstaunliche, auf die Jurisprudenz, die Naturwissenschaften, die Geschichte, die Theologie, die Statistik und die Volkswirtschaftslehre sich erstreckende Gelehrsamkeit tritt uns in seinen Schrifteil entgegen, die, wenn auch an einer gewissen Nachläsden der verdienstvolle Herausgeber der »Österreichischen Wochenschritt« Dr. J. S. Bloch, damals Abgeordneter des österreichischen Reichsrates, am 29. Januar 1881 im Saale der Handelsakademie zu Prag gehalten und im Jahre 1886 unter dem Titel »Jean Bodin, ein französischer Staatsmann und Rechtslehrer, ein Vorläufer Lessings aus dem 16. Jahrhundert« veröffentlicht hat (Aus der Vergangenheit für die Gegenwart, Wien 1886, S. 221—258). Von Jellinek (vgl. auch dessen Gedenkrede auf Salomon Munk in der Sammlung: Reden bei verschiedenen Gelegenheiten, Wien 1874, S. 86) auf diese merkwürdige Persönlichkeit hingewiesen, giebt Bloch in seinem Vortrag eine vortreffliche Charakteristik der Zeitverhältnisse und der schriftstellerischen Tätigkeit Bodins und insbesondere eine geistvolle Darstellung des Toleranzgedankens, wie er sich in den verschiedenen Unterrednern des Heptaplomeres wiederspiegelt, ohne jedoch, was sich auch in den Rahmen seines Vortrages nicht eingefügt hätte, speziell auf Bodins Beziehungen zum Judentum eiiizugehen. ב) Der französische Literarhistoriker Jaques Auguste De Thou (Thuanus 1553—1617) schreibt von ihm in seiner Historia rerum anni 1596: Gnaviter Iiteris operam dedit, linguarumque scientia non vulgari sibi comparata, omnium artium ambitum animo ingenti complexus est . . . In quo (sc. opere de Republica), ut omni scientiarum genere non tiricti sed imbuti ingenii fidem fecit, sic nonnullis, qui recte judicant, non omnino ab ostentationis innato genti vitio vacuum se probavit.— Hermann Conring in dem an Petrus Griffenfeld gerichteten Widmungsschreiben, das er einer Sammlung, enthaltend die Bodinsche Schrift Responsio ad Paradoxa Malestreti, zwei Kapitel aus dem sechsten Buch der Republik und zwei Kapitel aus dem Buche : De vera jurispruäentia des Joachim Hopperus (Helmstädt 1671), voranschickt, sagt: Fuit nitnirum Bodinus vasti ingenii, diffusissimae lectionis, peritiae civilium omnis aevi rerum inusitatae, memoriae semper promptisimae, magnae in sentiendo pariter et eloquendo libertatis, utinäm non in suis Rerum'sublimium arcanis usque impietatem' effrenis.