Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829791-2886108--33693-2886187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
315 Über 3ean Boöin in seinen Beziehungen zum üudentum. Von Jacob Guttmann. Die Geschichte des Judentums hat gerade keinen Überfluss an Männern aufzuweisen, die, einer anderen Religionsgemeinschaft angehörend und im Leben oder in der Wissenschaft eine hervorragende Stellung einnehmend, sich dem Judentume gegenüber, von der allgemein herrschenden Zeitströmung unberührt, die Unbefangenheit ihres Urteils bewahrten und auch den Mut fanden, ihrer duldsameren und menschenfreundlicheren Gesinnung freien und unverhüllten Ausdruck zu geben. Umso auffälliger muss es uns erscheinen, dass ein Mann wie Jean Bodin1) bisher der Aufmerksamkeit jüdischer Forscher fast völlig entgangen ist und dass sein Name in den Darstellungen der jüdischen Geschichte noch nicht seinen Platz gefunden hat2). Bodin J) Jean Bodin, im Jahre 1530 zu Angers geboren, wurde als Knabe dem Orden der Karmeliter zugeführt, später jedoch mit Rücksicht auf seine Jugend seines Gelübdes wieder entbunden. Er studierte die Rechte in Toulouse, wurde im Jahre 1561 Advokat im Parlament zu Paris, dem damaligen obersten Gerichtshof Frankreichs, und, nachdem er die Advokatur bald wieder aufgegeben hatte, im Jahre 1576 Rat am Präsidial zu Laon, wo er als Proqureur du Roi im Jahre 1596 an der Pest starb. Längere Zeit stand er dem Herzog von Alenqon als Freund und Ratgeber zur Seite und erfreute sich auch der Gunst des Königs Heinrich III., der er jedoch verlustig ging wegen der Opposition, die er als einer der ersten Führer des dritten Standes in den Generalständen von Blois (1576—1577) den Plänen des Königs machte. In dieser Versammlung war er auch für die Dulduug der Hugenotten eingetreten. Vgl. G. E. Guhraner, Das Heptaplomeres des Jean Bodin, Berlin 1841 und Henri BaudriLlart, J. Bodin et son temps. Paris 1853. 2) Als diese Arbeit bereits abgeschlossen und für den Druck vorbereitet war, wurde ich auf einen Vortrag aufmerksam gemacht,