Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 3 · p. Seite 298

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 3
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 298 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829787-2829791-2886106--33674-2886170
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

298 Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. bedenken, dass alle tatsächlichen historischen Angaben, die Josel in seinen Memoiren macht, sich durchweg als zuverlässig erweisen, wenn man sie an der Hand anderer zeitgenössischer Quellen nachprüft1). Wenn gerade über die von Josel berichtete Endeckung der Unschuld der märkischen Juden anderweitige Zeugnisse sich nicht auffinden lassen, so ist dies wohl bedauerlich, darf uns aber nicht wundern, denn die über den »Frankfurter Tag« vorhandenen Berichte2) erstrecken sich lediglich auf die rein politischen Verhandlungen; die jüdischen Dinge lagen völlig ausserhalb ihres Bereiches und bildeten in Frankfurt wohl auch nur eine Episode. Es gibt aber einen indirekten Beweis für die Wahrheit des von Josel erzählten. Dieser Beweis liegt in dem späteren Verhalten J oachims II. gegen die Juden. Er begünstigte sie auf jede Weise, derart, dass in den vierziger Jahren nicht nur der Rat von Berlin, sondern auch Luther den schädliehen Einfluss beklagte, den die Juden auf den Kurfürsten ausübten3). Gestalten, wie Michael Juda, jene von dem Schimmer des Volkstümlichen umkleidete Persönlichkeit, die bei Joachim II. in hohen Gnaden stand4) und der bekannte jüdische Münzmeister Li pp old, der das unbegrenzte Vertrauen seines fürstlichen Herrn genoss und nach dessen Tode ein so grauenhaftes Ende fand, beweisen deutlich genug die geradezu freundliche Stellung Joachims II. zu den Juden, die besonders klar auch aus den von Kohut veröffentiiehten Verhandlungen hervorgeht, welche der Kurfürst mit dem Rat von Frankfurt a. O. über die Aufnahme von ג) S. Bresslau a, a. O. 2) Vgl. Winckelmann : Politische Korrespondenz der Stadt Strassburg im Zeitalter der Reformation. II, S. 539 ff. und Nuntiaturberichte aus Deutchland, (Erste Abteilung. 1,2). s) Vgl. Bresslau a. a. O. S. 318, Note 1. 4) Vgl. über ihn Geiger in Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland II, S. 340 f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.