Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 12)
- Language
- German
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Der märirische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. 297 dem »Frankfurter Tage« teilnahmen. Die drei hätten sich mit ihm von der Wahrheit des Vorgebrachten überzeugt. Es darf nicht Wunder nehmen, dass bisher keine Darstel״ lung des Prozesses auf diese Tatsache der späteren Restituierung der verurteilten Juden eingegangen ist Denn es ist lediglich eine jüdische Quelle, die diese Vorgänge berichtet. Rabbi Josel von Ros heim, jener merkwürdige Mann, der im Zeitalter der Reformation als ein Anwalt seiner verfolgten und geschmähten Qlaubensbrüder eine literarische und praktische Tätigkeit ohne Gleichen entfaltete, sich furchtlos den Fürsten und Edelleuten gegenüberstellte, ja bis in die Nähe des kaiserlichen Thrones kam, er hat sich auch auf dem »Frankfurter Tag« eingefunden und trat dort gegen Butzers und Luthers judenfeindliche Angriffe auf1). In den Memoiren, die er hinterlassen, erzählt er nun in einfachen Worten, wie auf dieser Fürstenversammlung in der oben geschilderten Weise die Unschuld der märkischen Juden an den Tag kam2). Auch in der im Strassburger Stadtarchiv befindlichen Trostschrift, die Josel nach den Angriffen Butzers an seine Brüder richtete, weist er auf die wunderbare Entdeckung hin3). Man wird leicht dazu neigen, gegen diese Nachricht, da sie aus jüdischer Quelle stammt, misstrauisch zu sein. Indessen muss man ג) Vgl. L. Feilchenfeld: Rabbi Josel von Rosheim, S. 126. Bresslau in Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland V, S. 317. 2) Vgl. den Wortlaut in Revue des etudes juives XVI, S. 92 f., siehe auch ebenda S. 99 und Bresslau: a. a. O. S. 316. Lehmann hat 'in seinem Roman »Rabbi Joselmann von Rosheim« auch diese Episode erzählend ausgeschmückt; er nennt den Pfarrer, dem Fromm seine Lüge eingestand, Eusebius Niger, aus Genthin gebürtig, und lässt ihn selbst in Frankfurt vor den Fürsten das Geständnis Fromnts ausführlich erzählen. 3) Das Aktenstück ist veröffentlicht bei Feilchenfeld a. a. O. S. 180 ff.