Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 14)
- Language
- German
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Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. 299 Juden in diese Stadt führte1). Die Wahrscheinlichkeit, dass die auf dem Frankfurter Tag ans Licht gekommene Unschuld der märkischen Juden wirklich, wie Josel erzählt, einen tiefen Eindruck auf den Kurfürsten machte, dass der Sohn, in dem Bestreben, den entsetzlichen Irrtum des Vaters wieder gut zu machen, den Glaubensbrüdern der schuldlos Gemordeten seine volle Gunst zuwandte, ist ohne weiteres zuzugeben. So würde sich die Judenfreundlichkeit Joachims II. auf einfache und ungezwungene Weise erklären; die Annahme blosser finanzpolitischer Gründe vermöchte hiezu kaum auszureichen. Josel erzählt ausdrücklich, dass er alsbald nach der aufsehenerregenden Entdeckung bei dem Kurfürsten für seine Brüder die Erlaubnis erlangt habe, in seinem Lande »zu handeln und zu wandeln, das uns nun 30 jar verpoten und versperret gewesen«2). In der Tat datiert die energische Unterstützung, die der Kurfürst den Juden angedeihen liess, vom Beginn des fünften Jahrzehnts an. Kurz, das Zeugnis Josels erscheint vollauf genügend, um als Resume unserer Darstellung das Ergebnis festzuhalten :Die märkische Tragödie des Jahres 1510 hat mit einem Justizmord geendigt, dessen Schuld auf den Brandenburger Bischof Hieronymus, den spiritus rector des ganzen Prozess es, zurückfällt. 1J Kohut: Geschichte der deutschen Juden S. 540 f., nach einem im Besitze des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur zu Frankfurt a. O. befindlichen Manuskript. 2) Feilchenfeld a. a. O. S. 181.