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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 3 · p. Seite 296

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 3
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 296 (sequence 11)
Language
German
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296 Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. die sein Vater sich ablehnend verhielt, die brandenburgisehen Lande geöffnet. Eine bedeutsame Etappe auf dem Wege zu diesem Ziele bildete jene im Frühling des Jahres 1539 zu Frankfurt am Main stattgehabte Versammlung, auf der die protestantischen Stände des deutschen Reiches, unter Führung des Kurfürsten von Sachsen und des Landgrafen Philipp von Hessen, sowie auf Vermittlung der Kurfürsten von der Pfalz und von Brandenbürg mit dem deutschen Kaiser Karl V. jenes Abkommen trafen, welches unter dem Namen des »Frankfurter An- Standes« bekannt ist Neben den grossen Fragen der Zeit waren es auch die Angelegenheiten der Juden, die damals das Interesse der Fürsten lebhaft bewegten (vgl. z. B. Lenz: Briefwechsel Landgraf Philipps von Hessen mit Butzer I, S. 55 ff.) Auch auf dem Frankfurter Tag kamen diese Angelegenheiten zur Sprache. Der Kurfürst von Sachsen hatte vor, die Juden aus seinem Lande zu verweisen; Joachim II. scheint ihn in diesem Vorhaben bestärkt und als Beweis für die Schädlichkeit und Gefährlichkeit der Juden die Ereignisse des Jahres 1510 betont zu haben. Da trat in Frankfurt kein geringerer als P h i 1 i p p Melanchthon auf und wies glaubhaft nach, dass die Juden in der Mark 1510 unschuldig den Feuertod erlitten haben. Paul Fromm habe in der Beichte seinem Pfarrer eingestanden, die Juden fälschlich bezichtigt zu haben. Der Pfarrer habe alsbald seinem Vorgesetzten, dem Bischof Hieronymus, Mitteilung gemacht um den Justizmord zu verhüten, •kraft seines Amtes jedoch habe der Bischof dem Pfarrer Schweigen geboten. Der betreffende Pfarrer sei, wie Melanchthon hervorhebt, noch am Leben »und ist warhaftig bei Wuttemburg.« Als Zeugen für die Wahrheit seiner Behauptung brachte Melanchthon bei: Martin Butzer, den grossen Judenfeind, Batt von Dunzenheim und St. Böckel, zwei Strassburger Edelleute, die als Delegierte Strassburgs an

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