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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 3 · p. Seite 293

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 3
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 293 (sequence 8)
Language
German
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Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. 293 haben die Brandenburger Inquirenten bei der Erzielung dieses Bekenntnisses ihre Hand im Spiele gehabt. Der Erfolg blieb denn auch nicht aus. Der Kurfürst veranlasste den Rat zu Braunschweig, gegen die dortigen Juden vorzugehen. Akiva mit seinen Söhnen und 15 anderen Juden wurden gefänglich eingezogen und mussten am 25. September 1510 nach geschworener Urfehde die Stadt verlassen1). Der Kurfürst war also nach alledem nichts anderes, als der Vollstrecker der Strafen für die von den Städten angezettelten Beschuldigungen, ein willenloses Werkzeug in den Händen derjenigen, deren Forderungen er so lange Widerstand geleistet und die er durch das Privilegium von 1509 zum Äussersten gereizt hatte. Priebätsch2 3) dürfte denn auch nicht fehlgehen, wenn er das Entgegenkommen, welches der Kurfürst selbst späterhin, im Jahre 1532, den Juden zu Schwerin und M e s eritz beweist, indem er ihnen den Handel in der Mark und den Besuch märkischer Jahrmärkte gestattet8), darauf zurückführt, dass sich dorthin die vertriebenen märkischen. Juden gewandt hätten und der Kurfürst seine Gunst ihnen wieder zuwenden wollte. Es hat sich gezeigt, dass die Stadt Brandenburg im Mittelpunkt der Vorgänge von 1510 stand. Sie ist es denn auch, die bis auf den heutigen Tag zwei Erinnerungszeichen an jene Vorgänge in ihren Mauern aufzuweisen hat. Das eine sind einige Messer, mit denen die Juden im Jahre 1510 die Hostie durchstochen haben sollen. Diese Messer werden heute noch im D o m aufbewahrt und den Be- Suchern des alten Bauwerkes gezeigt. Ursprünglich wurde auch der Tisch, auf dem die Misshandlung der Hostie vor sich gegangen sei, im Dom aufbewahrt, sowie der 9 Die Aktenstücke siehe bei Holtze a. a. O. S. 76 und 77. 2) a. a. O. S. 190. 3) Riedel B, VI, S. 385.

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