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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 3 · p. Seite 292

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 3
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 292 (sequence 7)
Language
German
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292 Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. Tatsache, dass auch aussermärkische Juden in den Prozess und seine Folgen hineingezogen wurden, und hier ist es wieder Brandenburg, das die Führung inne hatte. In Braunschweig wohnte ein Jude Ackyn (auch Akiva genannt). Von ihm hatte der Graf Jakob von R u p p i n eine grössere Geldsumme geborgt und die Herren Hans R et z ow und Ambrosius S t o r b e c k, jener Bürger meister der Altstadt, dieser der Neustadt Brandenburg, hatten sich *für den Grafen verbürgt. Schuldner wie Bürgen scheinen jedoch in Erfüllung ihrer Pflichten säumig gewesen zu sein, weshalb der Rat der Stadt Braunschweig am 19. Februar 1500 den der Stadt Brandenburg bittet, die Bürgen zur Zahlung ihrer Schuld an den Braunschweiger Juden anzuhalten1). Auch diesen unbequemen Gläubiger, der von Braunschweig aus auf Bezahlung seiner Darlehen bestand, wusste man jetzt mit anderen Braunschweiger Juden unschädlich zu machen. Der Weg hierzu war einfach genug. Man brauchte nur die Untersuchung der Hostien- Schändung entsprechend zu dirigieren. In der Tat berichtet Angelus, Meyer in Osterburg habe die Hostienpartikel nebst dem in Brandenburg abgehauenei Spahn nach der Misshandlung eine Zeitlang vergraben, dann aber ausgegraben und »dieselbe mit einem anderen Juden weiter nach Braunschweig den Jüden zugeschickt«2). Sicherlich *) Riedel A. IX, S. 251. — Ich vermute, dass dieser Jude Akyn um 1497 fn Brandenburg wohnte, woraus es sich erklären würde, dass gerade die Bürgermeister Brandenburgs sich verbürgten. In der Tat erwähnt ein vor kurzem in der Bibliothek des Domkapitels aufgefundenes fragmentarisches Protokollbuch der Altstadt Brandenburg vom Jahre 1497 mehrfach einen Juden Akyn (auch Akina und Akima) als Geldverleiher. Der hiesige Stadtarchivar, Herr Professor T s c h i r c h, ist augenblicklich mit der Herausgabe des wertvollen Fundes, der auch sonst viele jüdische Dinge enthält,, beschäftigt. 2) Die Druckschrift von 1511 berichtet dasselbe Geständnis auch von den Stendaler Juden.

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