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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 3 · p. Seite 288

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 3
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 288 (sequence 3)
Language
German
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288 Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. direkt von der Gerichtsstätte zum Riehtplatz geführt werden konnten. Es war ein fürchterliches Schauspiel das Berlin an diesem Tage in seinen Mauern sah. Zuerst auf dem »Neuen Markt« die unter besonderen Zurüstungen inszenierte Komödie des Richterspruches! Dann der Zug der verurteilten Juden durch die Strassen der Stadt bis zum Orte der Hinrichtung, der übrigens nicht, wie man allgemein annimmt, gleichfalls der neue Markt war, sondern die Stelle, wo die heutige Weberstrasse mit der Frankfurterstrasse zusammenstösst. Auf diesem Zuge las Rabbi Sloman den Unglücklichen die Sterbegebete vor und alle stimmten festen Mutes ein: »Hat der eine Rabbi unter ihnen gelesen, wie sonst ein christlicher Prediger eine Oration lese, dazu denn die andere in ihrer Jüdischen Sprachen alle mit lauter stimme geantwortet: Amen. Und da säe dasselbe vollendet, haben sie alle zugleich mit lauter Stimme, wunderlichem Geschrey und seltzamen Geberden je mehr und mehr gesungen, biss sie zu der städt des peinlichen Gerichtes geführet und gekommen seien«. Hier beendete die mitleidige Flamme rasch und sicher die Qualen der Bejammernswerten1). ג) Der Kuriosität halber mag erwähnt sein, dass man dem Doctor Pomeranus Bugenhagen, dem bedeutendsten Vertreter der deutschen Kirchenreformation neben Luther und Melanchton, nachgesagt hat, er stamme von einem der Berliner Märtyrer des Jahres 1510 ab. Der niederdeutsche Chronist Johann O 1 d e c o p erzählt, er habe in Wittenberg sagen hören, die Verbrennung der märkischen Juden habe in Spandau stattgefunden und der dortige Bürgermeister Hening Bugenhagen habe den unmündigen Sohn eines der Verbrannten adoptiert und taufen lassen. Derselbe sei ein grosser Gelehrter geworden und kLuther habe von ihm hebräisch gelernt (Vergl. Die Chronik des Johann Oldecop, ed. Eullng, Tübingen 1891, S. 33 f.) Herr Dr. Brann, dem ich diesen Hinweis verdanke, nimmt sicherlich mit Recht an, dass die Sache ein leeres Gerede ist, das von katholischer Seite ausging, um Bugenhagen zu diskre״ ditieren. Bugenhagen war in W oll in in Pommern 1485 geboren, wäre also im Jahre 1510 bereits 25 Jahre alt gewesen. Sein Vater

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