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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 3 · p. Seite 287

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 3
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 287 (sequence 2)
Language
German
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.Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. 287 sicherlich kein Einziger der Beschuldigten von vornherein und freiwillig bekannte, sondern der mittelalterlichen Justiz entsprechend bei jedem ein dreimaliges Verhör, zuerst »gütlich«, dann »peinlich«, dann wieder gütlich notwendig war, dann muss man staunen über die unerhörte Fülle von Resultaten, die in dieser kurzen Zeit erzielt wurde1). Die wenigen Tage bis zur Exekution des Urteiles wurden dann zu dem formellen Verfahren vor dem Berliner Schöffengericht benützt. Auch hier macht sich wieder eine auffallende Hast bemerkbar. Bereits nach dem Termin vom 11. Juli muss der Scharfrichter jene umständlichen Vorbereitungen zur Hinrichtung getroffen haben, die von den Quellen mit grauenhafter Deutlichkeit erzählt werden2). So nur war es möglich, dass die Verurteilten am 19. Juli 1J Vgl. hiezu näheres bei Sello in »Forschungen zur brandenburgischen und preussischen Geschichte«, IV. S. 133 f. Priebatsch lässt (a. a. O.) bereits am 13. Februar die Nachricht, dass Juden in den Prozess verwickelt seien, an den Kurfürsten gelangen. Dies ist ein Irrtum. Wie sich aus unserer Darstellung ergibt, tauchen erst mit dem Verhör vom 9. Juni jüdische Namen im Prozess auf, aber sicherlich wurden die Vorbereitungen zur Verdächtigung der Juden im Geheimen mit grossem Eifer betrieben; der entdeckte Diebstahl lud förmlich dazu ein. 2) »Es hat aber zuvor der Scharfrichter mit seinen helffer, / deren aus eigener bewegnuss ״un erfordert viel da zu kommen, / einen wunderlichen bau zu ihrer straff / hinter dem Rabenstein zugerichtet / dergestalt und also: Paul Frohmen hat er allein an eine Seule mit Halsseisen vnd banden angebunden / und die Seule mit viel gutem Holtz / reiss vnd Pech vmbelegt / den Juden aber hat er ein hoch Tabernackel / dreyer Mann hoch / als starcke Rösten / obereinander gebawet / Vnd derer jeglichen mit vielem Holtze / stro vnd pech / etc. beleget / vnnd auf eine jede Rösten in die Ienge vnd breite starcke Bäume gezogen / daran er die Juden / ein theil auff die vntersten / die andern auff den mittelsten / vnnd also förder die vbrigen auff die dritte Rösten, / also bey den Hälsen mit eysern banden angeschmiedet / also / dass einer hat •in-die. höhe,../ vnd der ander, vor .,sich . nider sehen müssen«. - •(Angelus S. 276.)

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