Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 1)
- Language
- German
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286 Ser märkische Üostienschändungsprozess vom 3ahre 1510. Von A. Aekermanii. (Schluss). Auch hier ist der Rückschluss auf das Privilegium, das sich nur auf Juden aus den westlichen Landesteilen bezog, ohne weiteres gegeben. Es ist das Verdienst von Felix Priebatsch, zum erstenmal diesen Konnex hergestellt und den Judenprozess von 1510 als einen politischen Akt gekennzeichnet zu haben, dessen Spitze sich gegen den Landesherrn richtet e1). Als Beweis für die jeder tatsächlichen Grundlage entbehrende Erhebung der Anklage kann vor allen Dingen auch die ausserordentliche, fast krampfhafte Schnelligkeit gelten, mit der der ganze Prozess geführt wurde. Am 9. Juni griff Herr v. Betzschitz in die Untersuchung ein, am 13. legte Jakob in Brandenburg sein Geständnis ab, und am 4. Juli wurde die Voruntersuchung geschlossen. In dieser kurzen Zeit wurden gegen 1002) Juden verhört, umständliche Lokaltermine und Konfrontationen abgehalten, und schliesslich auch 42 konforme Geständnisse erzielt, die 42 Todesurteile möglich machten (Fromm eingeschlossen). Wenn man die grossen Distanzen, die umständlichen Transporte aus entfernt liegenden Landesteilen in Betracht zieht, wenn man bedenkt, dass J) Felix Priebatsch: Die Hohenzollern und die Städte der Mark im 15 Jahrhundert, Seite 189. 2) Ausser jenen 51 Verdächtigten waren noch etwa 40 nach Berlin gebracht worden; die Druckschrift von 1511 berichtet, dass nachdem 41 Juden bestraft waren, noch gegen 60• Juden in Berlin gefangen sassen, deren Unschuld sich ergeben hätte. Diejenigen der 51, die nicht bestraft wurden, haben entweder die Folter nicht überstanden oder sich durch Flucht gerettet.