Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine archivalische Informationsreise
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Eine archivalische Informationsreise. Registern, die ich unterwegs gefunden habe, sind ganz besonders hervorzuheben die diesbezüglichen Bestände in Fürth. Ich erinnere an die dortigen Geburtsregister, die bis1 1698 hinaufreichen. ■ In kulturhistorischer Beziehung nicht zu unterschätzen ist ganz besonders dasjenige Material, das in den Akten der eigenen jüdischen Gerichtsbarkeit enthalten ist. Nicht nur für den Historiker, auch für den Dichter, den Romanschriftstellerund Dramatiker, welche die graue Vorzeit in ihren Werken getreu wiederspiegeln wollen, bilden sie eine reiche und unerschöpfliche Fundgrube zur Erkenntnis des hausliehen Lebens, der Sitten, der Namen, der Dialekte, der Kleidung der Juden, der kleinen Sorgen, die sie bedrücken, der Art, wie sie sich ihren Unterhalt verschaffen usw. Die Lektüre eines solchen Aktenbündels ist durch die Unmittelbarkeit, mit der man hierdurch mitten in die Zeit, aus der die Akten stammen, hineinversetzt wird, belehrender als das Studium einer noch so gelehrten archäologischen Abhandlung. Und gerade solches Material ist sehr zahlreich vorhanden. Worms, Fürth, Frankfurt a. M. besitzen hiervon ziemlich viel, leider nicht weiter hinauf, als bis in das 17. Jahrhundert. Eine ganz besondere Beachtung verdienen in dieser Hinsicht die 44 Bände von Notariatsbüchern für die Zeit von 1675—1798 und die vielen Prozessakten in Frankfurt a. M. Überblickt man das, was auf den vorangegangenen Seiten als noch erhaltener Bestand von schriftlichen und urkundlichen Denkmälern unserer Vergangenheit an den von mir besuchten Orten verzeichnet worden ist, und bringt etwa noch dasjenige in Anrechnung, was mir vielleicht hie und da entgangen sein könnte, so weiss man tatsächlich nicht, ob mehr das Staunen darüber berechtigt ist, dass so wenig, oder aber dass doch noch so viel als Vermächtnis der Väter auf uns gekommen ist. Zieht man das Alter der jüdischen Niederlassungen innerhalb des Deutschen Reiches