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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 2 · p. Seite 251

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 2
Article
Eine archivalische Informationsreise
Date
1905-01-01
Page
Seite 251 (sequence 43)
Language
German
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Eine archivalische Informationsreise. 251 wie auch den Umstand in Betracht, dass unter den Juden sich immer Leute befunden haben,׳ die des Schreibens kuridig gewesen sind, so müssen die geretteten Überreste als sehr dürftig erscheinen; bedenkt man aber, welches das Schicksal der alten jüdischen Ansiedelungen in Deutschland gewesen, und vergegenwärtigt sich vor allem die Tat1־־ sache, dass keiner der jüdischen Gemeinden ein dauerndes Bestehen vergönnt gewesen ist, dass auf jede Epoche einer grösseren Blüte eine Vernichtung der Gemeinde und Aus- Weisung sämtlicher Mitglieder zu folgen pflegte, so wird man die Spärlichkeit des Archivalienbestandes sehr erklärlieh finden, und sich eher noch darüber wundern, dass sich soviel erhalten hat. An dem Untergang der alten Archivälien sind jedoch nicht lediglich die Judenverfolgungen schuld. Mehr noch als durch diese, ist durch mangelndes Interesse, durch Sorglosigkeit und nicht sachgemässe Behandlung und Aufbewahrung der alten Schriftstücke verloren gegangen. Man sieht dies schon daraus, dass fast sämtliche Pergamenturkunden, die ich vorgefunden habe, trotz ihres verhältnismässig nur geringen Alters, schon von Moder befallen sind, während sie bei nur halbwegs sorgsamer Aufbewahrung, wie neu hätten aussehen müssen. Noch deutlicher folgt dies aus der Art und Weise, auf welche die Wormser und Darmstädter Archivalien vom Untergange gerettet worden sind. Hätten sich dort nicht in den letzten Jahren Männer gefunden, die sich der vergessenen Dokumente mit rühmenswertem Eifer angenommen hätten, wer weiss, ob auch diese heute noch vorhanden wären. Gibt nicht auch die Tatsache zu denken, dass im Besitz eines Trödlers sich Archivalien einer Gemeinde, wie der von Frankfurt a. M., haben vorfinden können? Ich weiss nicht, ob es uns zum Tröste gereichen kann, dass solche Zustände nicht etwa nur bei uns Juden endemisch sind, dass ich bei anderweitigen Studien ähnliche trostlose Verhältnisse auch an Kirchen und Klöstern und bei den Magistraten selbst grösserer Städte

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