Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine archivalische Informationsreise
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 41)
- Language
- German
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Eine, archivalische Informationsreise, 249 züglichen Bestände in Darmstadt Gegen 300 Bände solchen Materials schlummern dort in einem Zimmer des Gemeindehauses. Sie erstrecken sich über die Zeit von mindestens 1776 bis auf die Gegenwart. Aus noch älterer. Zeit stammen die Rechnungs- und Kassenbücher in Frankfurt a. M., die jedoch an Vollständigkeit hinter denen von Darmstadt zurückstehen. Von den jüngeren Gemeinden ist auch München im Besitz von wohlerhaltenen und vollständigen Rechnungssammlungen. Nicht minder schwer für die Verwertung in wissenschaftlicher Beziehung, aber besonders ausgiebig und wertvoll für genealogische Forschungen und für Statistik ist der Stoff, der in den Memorbüchern, den Mohel- und Hebammenbüchern und den besonders in Bayern stark ver־ iretenen amtlichen Zivilstandsregistern enthalten ist. Die Memorbücher erlangen eine noch erhöhte Bedeutung durch die Listen der Märtyrergemeinden, die ihnen beigefügt sind, und die uns dadurch Nachrichten über Juden- Verfolgungen noch aus der Zeit der Kreuzzüge, über die wir sonst nur sehr spärlich unterrichtet wären, erhalten haben. Diese Berichte sind allerdings nicht zeitgenössische Aufzeichnungen aus der Zeit der Kreuzzüge selbst, sondern spätere Abschriften, die jedoch auf zeitgenössische Mitteilungen zurückgehen. Über die Leiden der Juden Kleinrusslands während der Kosaken auf stände des 17. Jahrhunderts rühren die Aufzeichnungen in einzelnen Memorbüchern noch von Zeitgenossen her. Über die Memorbücher und ihren Wert ist von berufener Seite schon manches geschrieben, ihre Wichtigkeit übrigens oft auch überschätzt worden, besonders dadurch, dass der Wert, den einzelne dieser Bücher besitzen, einfach auf alles übertragen wurde, was Memorbuch heisst. Am besten orientiert über die vorhandenen wichtigen Memorbücher Salfeld in seiner Einleitung zum Martyriologium des Nürnberger Memorbuches. Von den standesamtlichen und ähnlichen