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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 2 · p. Seite 179

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 2
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 179 (sequence 13)
Language
German
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Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. 179 durch. Jakob, ein Mensch von feigem Wesen und grosser Durchtriebenheit, unterhielt seit langem Beziehungen zu christlichen Kreisen. Wie weit diese Beziehungen gingen, erhellt aus der Tatsache, dass er auf den Märkten die besten Fische aufkaufte und als »Almosen« den Klöstern zu Brandenburg, Berlin und Cottbus schenkte1). Holtze2) trifft wohl das richtige, wenn er vermutet, Jakob habe sich gerade durch Unterstützung des Cottbuser Klosters bei dem Bischof Hieronymus, der vor seiner Investitur zum Bischof Pfarrherr zu Cottbus war, in besondere Gunst setzen wollen. Jakob mied denn auch den persönlichen Verkehr mit Christen nicht und setzte sich sogar über die religiösen Speiseverbote hinweg. Dass Rabbi Sloman dieses Treiben Jakobs nicht gerne sah, ist begreiflich. Mag er es ausdrücklich gerügt haben oder nicht — jedenfalls erscheint die zwischen den beiden herrschende Feindschaft erklärlich, zumal Jakob, wie er selber gesteht, die Absicht, sich taufen zu lassen, schon längst mit sich trug, wohl auch ausdrücklich kundgegeben hatte. Nur sein »Gebrechen« (er war also wohl verkrüppelt) und seine »Nahrung« hätten ihn bis jetzt von der Ausführung dieser Absicht zurückgehalten. Jetzt, wo das Unheil über ihn hereinbrach, suchte sich Jakob durch den Hinweis auf seine Christenfreundlichkeit zu retten und führte eine Reihe phantastischer Komödien auf, um sich sein Schicksal zu erleichtern. Als er eine Nacht im Gefängnis zu Brandenburg zugebracht hatte, liess er den Bürgermeister Bellin rufen und erzählte ihm, er habe während der Nacht auf jeder Seite des Kerkerfensters vier schöne Jungfrauen gesehen und eine neunte, die mitten im Fenster gestanden, viel ב) Berichtet von der Druckschrift 1511 : »Es hat auch derselbig Jacob Jud in die Gravenn klöster zu Brandenburg, Berlin und Cotbus vil almusen, als die pesten visch auff den merkten gekaufft und in die Closter gegeben«, 2) a. a. O. Seite 34.

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