Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 14)
- Language
- German
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180 Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. schöner als die anderen gewesen sei und die er, da sie mit Sternen gekrönt war, für Maria gehalten habe. Man möge ihm doch zum christlichen Glauben und zur Taufe verhelfen. Bellin liess den sonderbaren Träumer nicht darüber im Zweifel, dass er kein Wort von dieser Geschichte glaube und wiess ihn mit Nachdruck auf den Verdacht hin, wegen dessen er verhaftet sei, und den er mit solchen Flausen nicht von sich abwälzen könne. Die »peinliche Befragung« Jakobs ging dann auch ohne weiteres vor sich mit dem oben erwähnten Resultat. Jakob aber setzte seine Versuche, sich seine Lage zu erleichtern, unermüdlich fort. Auf seinem Transport nach Berlin verstand er es durch seine körperliche Gewandheit, sich zweimal, unter den Augen der Wächter seiner Handfesseln zu entledigen, um eine von ihm gesehene erneute Marienerscheinung glaubhaft zu machen1). Schliesslich erreichte er auch sein Ziel; er wurde getauft und genoss mit einem anderen der verdächtigten Juden, Josef von Seehause n2), der gleichfalls das Christentum annahm, die Vergünstigung, nicht durch Feuer, sondern durch das Schwert hingerichtet zu werden. Aus der Stadt Bran- 1J Angelus Seite 271. Desselbigen Tages gegen den Abend hat der Raht zu Brandenburg Jacob Jüden mit eysern Ketten vnnd andern banden am Halse / auch an Beinen und Händen / und mit einem guten Daumenstock / daran sonderlich zwey Schlösser gewesen / wol verwaren lassen / vnd ihn auff einen Wagen nach Berlin geschickt. Vnterwegen als sie mit jm in einen langen Wasserfurth / bey dem Dorffe Rossaw / kommen / hat der Jude den Knecht / so neben ihn geritten / zu sich geruffen / vnd gesaget / das die edle Mutter Gottes Maria bey jhm wäre / die hatte jhm den Daumenstock abgenommen. Wie nu die Knechte gesehen / das desjueden Hände frey vnd ledig gewesen / sind sie hart darüber erschrocken / fürnemlich / ־weil sie die Schlösser vnnd den Stock .geschlossen gefunden«. 2) Auch er gehört zu den Privilegierten von 1509; seine Verdächtigung erfolgte in Stendal, wohin Salomo die dritte Hostienpartikel geschickt haben wollte.