Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829790-2885956--33542-2886022- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
178 Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. die menschliche Duldefkraft überstieg und der sittliche Wille unter'tausend Qualen zusammenbrach.« Diese herrliehen Worte, die David Kaufmann dem Gedächtnis Rabbi Slomans widmet1), basieren auf der Annahme, dass Slomans Aussage es war, durch die jene 24 in den Prozess hineingezogen wurden. Offenbar stützt sich Kaufmann hierbei auf die Holtzesche Darstellung (a. a. O. S. 26), wo diese Auffassung gegeben ist. Ein genaueres Eingehen auf die Quellen zeigt aber das Irrtümliche dieser Auffassung. Angelus legt die ganze Aussage Jakob in den Mund und berichtet von einer Vernehmung Slomans überhaupt nichts. Die Druckschrift von 1511 wiederum erzählt das Überbringen der Hostie nach Osterburg und ihre Misshandlung auf der Hochzeit als eine einfache Begebenheit, ohne den Bericht einem der Inquisiten in den Mund zu legen. Zum mindesten ist also Holtzes Annahme, die 24 seien durch Slomans Aussage in den Prozess verwickelt worden, aus den Quellen nicht zu erweisen. Auffällig bleibt, dass Tritte n h ei m, dessen Darstellung auch hierin den Ruf besonderer Authentizität, den sie geniesst, nicht rechtfertigt, Rabbi Sloman völlig unerwäh nt lässt. Nach ihm hat Jakob das Hostienstück an Meyer nach Osterburg »überschickt« (transmisit). In der Aussage Jakobs muss der Passus, der von seiner Verfeindung mit Rabbi Sloman spricht, entschieden auffallen. Hält man dieser Feindschaft den ganzen Charakter dieses Jakob, wie er sich in drastischer Klarheit aus den Quellen ergibt, sowie sein Verhalten während des Prozesses gegenüber, so will es scheinen, als wäre die Feindschaft mit Rabbi Sloman verständlich und auch in ihren Ursachen unzweideutig zu erklären. Ja, es schimmert durch diese »Feindschaft« fast ein Schein von Slomans rabbinischer und seelsorgerischer Wirksamkeit hin- 0 Magazin für die Wissenschaft des Judentums 1891, Seite 50 und 51.