Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 11)
- Language
- German
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Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510.!77 die Schändung in grosser Zahl vollbracht haben sollten;1) auf dieses Vorbild griff man in Brandenburg zurück. Jakob sagte also weiter aus, er habe das verspottete Hostienstück zusammen mit dem abgehauenen Spahne dem Rabbi Sloman übergeben, dieser habe es nach Oster bürg gebracht und es dort dem Rabbi Josef und dem Juden Meyer übergeben, die es bis zum Freitag nach Pfingsten aufbewahrt hätten. An diesem Tage habe Meyers Sohn Isaak seine Hochzeit gefeiert2), und bei dieser festlichen Gelegenheit hätten an der Misshandlung des Hostienstückes zu Osterburg nicht weniger als 24 Juden teilgenommen; von diesen, die in den Quellen mit Namen und Wohnort aufgezählt werden, gehörten wiederum neun zu den Privilegierten von 15093). Durch die Aussage Jakobs war also der Kreis der Beschuldigten ausserordentlich ausgedehnt worden. Rabbi Sloman hat sicherlich unter der Folter die Aussage Jakobs bestätigt. »Was muss dieser Rabbiner von Brandenburg, als ihn Kurfürst Joachim nach Berlin bringen liess, gefoltert worden sein, dass er es über sich brachte, vierundzwanzig ahnungslose unschuldige Glaubensbrüder in das Verderben hineinzuziehen und ihre Namen als die Mitschuldigen nachzusprechen, wie man es ihm vorgesprochen oder, wie wir heute sagen, suggeriert hatte. Denn wohl müssen wir zu seiner Ehre annehmen, dass er freudig den Tod würde gelitten haben, ehe er den Mord einer dieser Seelen auf sein Gewissen geladen hätte, aber man liess ihn nicht sterben, sondern man peinigte und marterte ihn, dass es 1J Vgl. hierüber Jahrbücher des Vereines für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, 12. Jahrgang, Seite 213 und 259, und Donath: Geschichte der Juden in Mecklenburg S. 40 ff., die Märtyrer bei Löwenstein: Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland I, Seite 194. 2) »Hochzeit und Beilager« (Angelus), »Wirtschaft und Kost« (Druckschrift von 1511). 3) Josef von Werben, Mendel von Nauen, Jakob und David von Gardelegen, Smoll von Perleberg, Mosch von Kyritz, Benedictus von Stendal, Mosch von Pritzwalk und Mosch von Lenzen. Monatsschrift, 49. Jahrgang. 12